Sicherheitskonzepte

Zustand der Schutzraumplätze in Deutschland ist ungewiss

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Durch den Krieg in der Ukraine, den Drohungen von Russland mit Atomwaffen und der damit verbundenen Sicherheitswende hat sich die Lage in Deutschland drastisch verändert. Nun stellt sich eine Vielzahl an Fragen, mit denen man sich in Deutschland seit langer Zeit nicht mehr auseinandergesetzt hat. Eine davon ist die Frage nach dem Vorhandensein von Bunkern und Schutzräumen für die Bevölkerung.

Das ist in Deutschland noch an Schutzräumen vorhanden 

Viele Bunkeranlagen, die es früher gab, wurden 2007 aufgegeben. Sie wurden und werden noch zurückgebaut oder verkauft. Diese Praxis wurde nun durch die Sicherheitswende gestoppt. Aktuell überprüft die Bundesregierung das Rückbaukonzept von bestehenden Bunkeranlagen und auch der Bau von neuen Anlagen scheint nicht gänzlich ausgeschlossen zu sein. Aktuell hat Deutschland noch einen Bestand von 599 öffentlichen Schutzräumen. Diese Schutzräume bieten Platz für 487.598 Menschen. Zusätzlich verweist die Bundesregierung darauf, dass es viele Tiefgaragen oder U-Bahn-Stationen, aber auch private Keller in Deutschland gibt. Aufgrund der guten Bausubstanz aus Beton bieten auch diese einen Schutz – wenngleich nicht im selben Umfang wie die öffentlichen Schutzräume.

Ungleiche Verteilung der Schutzräume in Deutschland

Die Zahl von 599 Schutzräumen hört sich zunächst nach viel an, doch betrachtet man die Verteilung der Schutzräume nach Bundesländern, so wird man eine sehr ungleiche Verteilung feststellen. So fallen von den 599 Schutzräumen allein rund 156 auf Bayern und 220 auf Baden-Württemberg. Dies spiegelt sich auch bei den Schutzraumplätzen nieder:

Wie man anhand dieser Übersicht erkennen kann, gibt es nicht nur eine ungleiche Verteilung – zahlreiche Bundesländer, nämlich alle ehemaligen DDR-Bundesländer, fehlen. Schutzräume in diesen Bundesländern wurden nicht von der Bundesrepublik übernommen. Dementsprechend stehen hier offiziell auch keine Schutzräume zur Verfügung. Und bei den vorhandenen Schutzräumen muss man immer auch bedenken: Das reine Vorhandensein gibt keine Auskunft darüber, in welchem baulichen Zustand sie sich befinden. Der Zustand der Schutzräume soll deshalb nun in Zusammenarbeit mit den Bundesländern ermittelt werden. Es ist damit nicht unwahrscheinlich, dass zahlreiche Anlagen und Schutzplätze aus der Aufstellung gestrichen werden müssen.

Es gibt auch private Schutzräume

Neben den öffentlichen Schutzräumen gibt es auch solche Anlagen in privater Hand. Rund 9000 private Schutzräume mit jeweils maximal 50 Schutzplätzen existieren zumindest in der Theorie. Ob diese tatsächlich noch nutzbar sind, ist ungewiss. Mit Aufgabe des Schutzraumkonzepts von 2009 wurden auch diese entwidmet und sind nicht mehr Gegenstand des Bevölkerungsschutzes. Unabhängig davon, wie viele dieser öffentlichen oder privaten Schutzräume auch in der Praxis tatsächlich zur Verfügung stehen, eines wird offensichtlich: Deutschland wird in Zukunft ein neues Schutzraumkonzept und entsprechende Förderungen brauchen.

 

Quelle: Deutscher Bundestag, Drucksache 20/1246 (zuletzt abgerufen am 26.04.2022)