Organisations- und Führungskonzepte

Bekommt der Nachwuchs in der Sicherheitsbranche eine Chance?

10 Jahre Fachkraft für Schutz und Sicherheit – eine (Miss-)Erfolgsgeschichte

Im September 2012 war es zehn Jahre her, dass für die Sicherheitsbranche ein staatlich anerkanntes Berufsbild geschaffen wurde: die Fachkraft für Schutz und Sicherheit. Doch selbst in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift DSD anlässlich der Security 2012 findet dieses Jubiläum keine Würdigung. Gleichzeitig aber wird der Mindestlohn auf breiter Front diskutiert.

Ist diese „Nicht-„Erwähnung vielleicht das Bild der tatsächlichen Wertschätzung dieses Ausbildungsberufes in der Sicherheitsbranche? Ein Blick auf die letzten zehn Jahre scheint diese Befürchtung zu bestätigen. Bis zur Schaffung des Ausbildungsberufes gab es nur angelernte Kräfte. In den 70er Jahren kam das Berufsbild der IHK- geprüften Werkschutzfachkraft hinzu, die berufsbegleitend erlernt werden konnte. Den Werkschutzmeister konnte man dann in den 90er Jahren erwerben. Doch während die Werkschutzfachkraft von zahlreichen Kunden nachgefragt wurde, wollte den Werkschutzmeister kaum jemand haben.



Erst 2003 kam die Berufsausbildung in Form einer dreijährigen Lehre im dualen System dazu. Schon von Beginn an gab es zwei Tendenzen, weshalb Betriebe die Fachkraft für Schutz und Sicherheit als Ausbildungsberuf angeboten haben:


  1. Die einen Betriebe wollten damit ihren Führungsnachwuchs generieren. Deren Ziel waren und sind damit Schichtführer, Objektleiter, Disponenten, Kundenberater und Vertriebsmitarbeiter. Nicht alle Kandidatinnen und Kandidaten konnten als Führungsnachwuchs taugen.

  2. Andere Betriebe dagegen nahmen die neuen Auszubildenden vor allem als billige Arbeitskräfte auf. So kam und kommt es in den Berufsschulen noch immer vor, dass Auszubildende nicht ausgeruht in den Unterricht kommen, weil sie noch bis kurz vor dem Unterrichtsbeginn in einer Schicht gearbeitet haben.


Mehr als 200 Arbeitsstunden sind für die künftigen Fachkräfte keine Seltenheit. Und innerbetriebliche Ausbildung wird nicht von allen Ausbildungsbetrieben angeboten. Doch diese Situation gibt es in vielen Ausbildungsberufen. Nur die Auszubildenden selbst, die IHK- Gremien und die Berufsschulen in Verbindung mit den „ordentlichen“ Ausbildungsbetrieben können diese Situation langfristig verbessern.

Doch können die Betriebe dann auch das qualifizierte Personal vermarkten?

Auftraggeber und Tarifparteien verhindern den Einsatz von Fachkräften

Während die o.g. Bedingungen in allen Berufen ähnlich sind, hat das Sicherheitsgewerbe jedoch mit einem weiteren Problem zu kämpfen. Eine Vielzahl der Auftraggeber bestellt die neue Qualifikationen nicht. In Ausschreibungen hat das Berufsbild Fachkraft für Schutz und Sicherheit kaum Eingang gefunden. Dort findet man, soweit die Auftraggeber überhaupt nach qualifiziertem Personal fragen, in der Regel den Vermerk „IHK- geprüfte Werkschutzfachkraft bzw. Fachkraft für Schutz und Sicherheit“, ohne diesen Qualitätsunterschied zu beachten.

Im Gespräch mit diesen Auftraggebern stellt man dann fest, dass der Unterschied der Qualifikation den Kunden nicht geläufig ist oder diese den Unterschied gar nicht wissen wollen. Einkäufer, die in den Ausschreibungsunterlagen an der einen Stelle noch die tarifkonforme Bezahlung fordern, können an anderer Stelle nicht einmal die korrekten Tarifgruppen benennen.

Besonders fällt die Unsitte bei Aufträgen auf, bei denen man für die anstehenden Aufgaben bislang qualifizierte Kräfte – diese allerdings auch nur bis zur IHK- geprüften Werkschutzfachkraft – angefordert hat, und nun bei neuen Ausschreibungen Mitarbeiter mit der Entlohnung Mindestlohn anfordert. Die Aufgaben und damit die qualitativen Anforderungen bleiben aber die gleichen wie zuvor. Das ist eine neue Version der Geiz-ist-geil-Mentalität.

Ebenso schuld an der Misere sind die Tarifparteien. Die Kunden nutzen nur die Mängel im Tarifsystem und die Probleme der Anbieter, Ihre Leistung transparent und die nötige Qualifikation nachvollziehbar darzustellen. Der Wildwuchs im Tarifsystem an Bezeichnungen ist ungebrochen.

Den Ausschreibungen fehlt genauso Qualität wie den Angeboten. Die eine Seite kann den Bedarf nicht exakt beschreiben und die Anbieter packen ein Paket an Leistungen in einen Preis. Und da ein Leistungscontrolling fehlt, leben beide Seiten lange mit dieser Konstellation.







Praxishinweise – Ausblick für den Nachwuchs


  • Letztlich bedeutet dies alles aber für die Auszubildenden, dass Ihnen die Anerkennung des Berufes auf breiter Front fehlt. Und der finanzielle Ertrag aus einer dreijährigen Ausbildung stellt sich nicht ein. Zwischen dem Mindestlohn und der Entlohnung der Fachkräfte für Schutz und Sicherheit liegen bis zu € 5,- pro Stunde oder rund 60%.

  • Was kann man unter diesen Aspekten der Jugend raten? Lohnt der Weg in die Sicherheitsbranche? Geraten werden muss: Überlegt es Euch gut!

  • Es gibt Unternehmen, die ihren Führungsnachwuchs suchen. Da hat man Chancen. Die jungen Leute sollten also nach den Aufstiegschancen fragen und sich nicht mit der Antwort abfinden: „Sie sind unsere künftigen Führungskräfte“. Tätigkeiten und die Dauer der beruflichen Arbeit, bis man diese Stellen erreichen kann, sollten schon genauer hinterfragt werden.

  • Die Aussichten in der Sicherheitsbranche sind durchaus gut. Das Wachstum kann in den nächsten Jahren konstant auf hohem Niveau bleiben. Und wachsende Unternehmen benötigen früher oder später zusätzliche Führungskräfte. Aber einfach ist es in dieser Branche nicht!