Organisations- und Führungskonzepte

Betrieblicher Brandschutz: Veränderungen bei der Brandschutzbeauftragten-Ausbildung

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Der Brandschutzbeauftragte ist ein wichtiger Bestandteil des betrieblichen Brandschutzes, gerade in größeren Unternehmen. Er berät die Unternehmensführung in Fragen des Brandschutzes sowie des Notfallmanagements, setzt aber auch Maßnahmen aus dem Brandschutzkonzept um und kümmert sich um die betriebliche Brandschutzausbildung der Mitarbeiter. Die Aufgaben eines Brandschutzbeauftragten können sich je nach Unternehmen stark unterscheiden. Ein Brandschutzbeauftragter kann von einem externen Dienstleister kommen oder sich in einem Angestelltenverhältnis mit dem Unternehmen befinden. In manchen Unternehmen kann das Vorhandensein eines Brandschutzbeauftragten Pflicht sein, entweder aus baurechtlichen Gründen (z.B. aufgrund von Sonderbauvorschriften wie Industriebaurichtline, Verkaufsstättenrichtlinie etc.) oder aus versicherungsrechtlichen Gründen.

Um als Brandschutzbeauftragter tätig zu sein, muss eine Ausbildung absolviert werden. Diese Ausbildung ist in den drei deckungsgleichen Richtlinien bzw. Information der DGUV (DGUV-Information 205-003), der vfdb (Richtlinie 12/09-01) und der VdS (Richtlinie 3111) geregelt. Keine der Informationen bzw. Richtlinien hat in Deutschland einen verpflichtenden Charakter, sie stellen vielmehr eine Empfehlung sowie einen Leitfaden zur Ausbildung, zu den Aufgaben und zu den Rahmenbedingungen dar. Gerade jüngst werden die bisherigen Regelungen nun überarbeitet.

Änderungen beschränken sich auf die Ausbildung

Die Änderungen beschäftigen sich ausschließlich mit der Frage der Ausbildung zum Brandschutzbeauftragten. Bei den möglichen Aufgaben eines Brandschutzbeauftragten oder der betrieblichen Brandschutzorganisation gibt es keine Änderungen.

Bei der Ausbildung war bisher der Regelfall, dass es sich um Präsenzveranstaltungen handelt. Je nach Ausbildungsanbieter dauerte die Ausbildung dabei zwischen 5 und 14 Werktagen. Die Ausbildung umfasste insgesamt 64 Unterrichtsstunden von je 45 Minuten. Vereinzelt bestanden auch Angebote zur Fernausbildung.

Die Neuerungen sehen jetzt insgesamt 6 verschiedene Varianten vor, wie die Ausbildung zum Brandschutzbeauftragten durch einen Ausbildungsanbieter gestaltet werden kann. Nachfolgend eine Übersicht zu den einzelnen Varianten der Ausbildung:

  • Variante 1: Präsenzausbildung, 14 Tage mit je 32 Unterrichtsstunden pro Woche.
  • Variante 2: Praxis-Einführungsveranstaltung, 2,5 Tage (20 Unterrichtsstunden) sowie 2-3 Wochen Praxisphase mit 12 Unterrichtseinheiten. Praxisphase bedeutet ein Praktikum in einem Unternehmen oder bei einem externen Brandschutzbeauftragten unter dessen Anleitung. Den Schluss bildet eine Abschlussveranstaltung mit einer Dauer von 5 Tagen (32 Unterrichtsstunden).
  • Variante 3: Präsenz-Einführungsveranstaltung, 3 Tage (16 Unterrichtsstunden) sowie einer Selbstlernphase über 6 Wochen mit 24 Unterrichtsstunden. Während der Selbstlernphase müssen drei Lernerfolgskontrollen durchgeführt werden. Dann folgt eine Praxisphase mit Bericht über eine Dauer von 2 bis 3 Wochen mit 12 Unterrichtsstunden und letztlich eine Präsenz-Abschlussveranstaltung über 3 Tage mit 16 Unterrichtsstunden.
  • Variante 4: Präsenz-Einführungsveranstaltung mit einer Dauer von 2 Tagen und 12 Unterrichtsstunden, Praxisphase einschließlich Bericht über 2 bis 3 Wochen mit 12 Unterrichtsstunden, Web-Seminar (Webinar) mit 12 Unterrichtsstunden und letztlich eine Abschlussveranstaltung über 5 Tage mit 32 Stunden. Bei dieser Variante ist die Gesamtunterrichtszeit mit 68 Unterrichtsstunden am höchsten.
  • Variante 5: Präsenz-Einführungsveranstaltung über 2 Tage mit 12 Unterrichtsstunden, Praxisphase mit Bericht über 2 bis 3 Wochen und 12 Unterrichtseinheiten, Webinar über 2×4 Unterrichtsstunden, Praxisobjekt einschließlich Bericht mit einer Dauer von 6 Wochen, was 32 Unterrichtsstunden entspricht und letztlich einer Präsenz-Abschlussveranstaltung über 3 Tage mit 20 Unterrichtsstunden. Praxisobjekt bei dieser Variante bedeutet, dass vom angehenden Brandschutzbeauftragten ein Thema wie zum Beispiel eine Brandschutzunterweisung in einem Unternehmen unter Anleitung geplant und durchgeführt wird.
  • Variante 6: Präsenz-Einführungsveranstaltung über 3 Tage mit 16 Unterrichtsstunden, Praxisphase mit Bericht über 3 bis 4 Wochen mit 12 Unterrichtsstunden, Präsenz-, Reflexions- und Vertiefungsseminar über 2 Tage und 8 Unterrichtseinheiten, einem Praxisobjekt mit Bericht über 2 Monate mit 12 Unterrichtseinheiten und letztlich einer Abschlussveranstaltung mit 3 Tagen und 16 Unterrichtseinheiten.

 

Hinsichtlich der Unterrichtseinheiten sei an dieser Stelle noch erwähnt, dass diese je nach Art des Unterrichts unterschiedlich gewichtet sind. Eine Unterrichtsstunde in einer Präsenzveranstaltung beträgt zum Beispiel 45 Minuten. Eine Unterrichtsstunde im Rahmen eines Webinars umfasst hingegen 60 Minuten. Den Abschluss der Ausbildung zum Brandschutzbeauftragten bildet die sogenannte Kompetenzerfassung. Diese kann aufgrund der neuen Information bzw. Richtlinie auf verschiedenen Wegen erfolgen. So ist hier zum Beispiel eine Abfrage von Wissen über Multiple-Choice-Fragen möglich, aber auch über einen Bericht.

Kompetenzen werden vermittelt

Neben diesen Neuerungen gibt es in Sachen Ausbildung aber noch eine weitere Änderung, welche die Inhalte betrifft. In den bisherigen Richtlinien war festgelegt, dass es zu jedem Themenfeld Vorgaben hinsichtlich der Unterrichtszeit gibt. Bei den Neuerungen ist dies nicht mehr der Fall, hier werden vielmehr die Kompetenzen aufgeführt, die Teilnehmende in der Brandschutzbeauftragten-Ausbildung erwerben sollen. Zur Verdeutlichung ein Beispiel aus dem Themenfeld „Baulicher Brandschutz“: So soll hier die Kompetenz: „Gebäude den Gebäudeklassen zuordnen“ vermittelt werden. In Sachen Kompetenz gibt es hierbei verschiedene Stufen:

 

  1. Erkennen, wiedergeben
  2. Beschreiben, erläutern, darstellen
  3. Durchführen, übertragen, lösen
  4. Ermitteln, zuordnen, bestimmen
  5. Bewerten, abwägen, beurteilen
  6. Entwerfen, entwickeln, planen, konstruieren

 

Die neue Richtlinie zur Tätigkeit als Brandschutzbeauftragter wurde mit einer Übergangsfrist versehen. So kann die alte Richtlinie noch bis zum 31. Dezember 2023 angewendet werden. Die neue Richtlinie ist spätestens ab dem 01. Januar 2024 anzuwenden.

Anmerkungen des Autors

Die Information/ Richtlinie zum Brandschutzbeauftragten bewegt sich mit ihren Änderungen in die richtige Richtung. Doch ein paar Punkte sind nicht nachvollziehbar. Ein Problem ist etwa die Beibehaltung der Ausbildungsdauer von 64 Unterrichtsstunden. Gerade im Hinblick auf die vielen Unterrichtsthemen, aber auch die Ausweitung auf verschiedene Ausbildungsformen, ist eine Beibehaltung von 64 Unterrichtsstunden fragwürdig. Dies gilt auch für mangelhafte Ausbildungsthemen. Man denke hier nur an die mögliche Aufgabe 25: „Mitwirken bei der Implementierung von präventiven und reaktiven Schutzmaßnahmen im Notfallmanagement (z.B. Stromausfall, Hitze-/Kältewellen, Unwetter)“. Ausbildungsinhalte zu dieser Aufgabe sind auch weiterhin nicht Gegenstand der Ausbildung zum Brandschutzbeauftragten, vielmehr wird auf die Fortbildung verwiesen. Dies ist jedoch nicht praxisgerecht, mögliche Aufgaben müssen von einem Brandschutzbeauftragten mit Absolvierung der Ausbildung auch direkt wahrgenommen werden können.

Ob und wie diese Änderungen sich in der Praxis durchsetzen werden, bleibt abzuwarten. Letztlich wird es davon abhängen, ob die Ausbilder und Ausbildungsanbieter diese Richtlinie/ Information umsetzen werden. Schwer nachvollziehbar ist zudem, warum bis heute die Änderungen ausschließlich von Verbänden ausgearbeitet werden, obwohl nicht alle Ausbilder auch diesen Verbänden angehören. Hier wäre nicht nur eine offenere Beteiligung notwendig, sondern auch mehr Transparenz.

 

Quelle: https://vds.de/fileadmin/publikationen/konsultation/gdv/3111/V3111_03_Entwurf.pdf