Deutschland und seine Partner sehen sich einer zunehmend aggressiven Bedrohungslage gegenüber. Hybride Angriffe wie Cyberattacken, Desinformationskampagnen oder Sabotageakte gegen kritische Infrastruktur nehmen zu – bewusst unterhalb der Schwelle offener militärischer Auseinandersetzungen. Sicherheit kann nicht mehr in getrennten Kategorien von „innerer“ und „äußerer“ Sicherheit gedacht werden kann. Die Landes- und Bündnisverteidigung ist heute eine gesamtstaatliche Aufgabe für die Gesellschaft, staatliche und nichtstaatliche Institutionen, die Sicherheitsbehörden und die Streitkräfte. Mit der Aufstellung des Operativen Führungskommandos der Bundeswehr werden erstmals Territoriale Aufgaben und Einsatzführung im Ausland miteinander vereint.
Die europäische Sicherheitsordnung steht spätestens seit dem völkerrechtswidrigen Angriff Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 unter massivem Druck. Der Versuch, politische Ziele mit militärischer Gewalt durchzusetzen, hat die Nachkriegsordnung Europas erschüttert und ein neues sicherheitspolitisches Zeitalter eingeläutet. Deutschland und seine Partner in der NATO und der Europäischen Union sehen sich seither einer zunehmend aggressiven, hybriden und militärischen Bedrohung gegenüber.
Zeitenwende und sicherheitspolitische Realität
Neben klassischen Formen militärischer Gewalt treten hybride Angriffe in den Vordergrund – Cyberattacken, Desinformationskampagnen, Sabotageakte gegen kritische Infrastruktur oder die Instrumentalisierung von Migration, um nur einige zu nennen. Diese Angriffe zielen darauf ab, staatliche Handlungsfähigkeit zu schwächen, gesellschaftliches Vertrauen zu erschüttern und Reaktionsmechanismen auszutesten – schwer zu attribuieren und bewusst unterhalb der Schwelle offener militärischer Auseinandersetzungen.
Die Erkenntnis daraus ist: Sicherheit kann nicht mehr in getrennten Kategorien von „innerer“ und „äußerer“ Sicherheit gedacht werden. Die Landes- und Bündnisverteidigung ist heute eine gesamtstaatliche Aufgabe für die Gesellschaft, staatliche und nichtstaatliche Institutionen und Organe, die Polizei und die Streitkräfte. Die Verteidigung Deutschlands beginnt nicht erst an den Grenzen – sie beginnt bereits im Inneren.
Operative Führung aus einer Hand
Um dieser sicherheitspolitischen Realität Rechnung zu tragen, hat die Bundeswehr ihre Führungsorganisation grundlegend angepasst. Mit dem „Osnabrücker Erlass“ vom 1. Mai 2024 stellte der Bundesminister der Verteidigung neue Grundsätze zur Führungsorganisation auf. Ziel ist es, die Streitkräfte im gesamtstaatlichen Kontext auf die Landes- und Bündnisverteidigung auszurichten und ihre Einsatz- und Abschreckungsfähigkeit deutlich zu erhöhen. Kern dieser Neuordnung ist das Operative Führungskommando der Bundeswehr (OpFüKdoBw), das am 1. Oktober 2024 aufgestellt wurde. Es vereint die zuvor getrennten Aufgaben der Einsatzführung im Ausland mit den Territorialen Aufgaben.
Das OpFüKdoBw ist die operative Schnittstelle der Streitkräfte zwischen der politischen Leitung im Bundesministerium der Verteidigung, den Teilstreitkräften und den zivilen Akteuren mit Sicherheitsaufgaben. Es stellt als zentrale Führungseinrichtung der Bundeswehr im In- und Ausland die nationale und streitkräftegemeinsame Planung, Führung und Auswertung auf operativer Ebene aus einer Hand „24/7 und 365 Tage im Jahr“ sicher. (…)
Der Operationsplan Deutschland
Der Operationsplan Deutschland (OPLAN DEU) ist eine Reaktion auf die verschärfte sicherheitspolitische Lage in Europa. Er führt die zentralen militärischen Anteile der Landes- und Bündnisverteidigung in Deutschland mit den dafür erforderlichen zivilen Unterstützungsleistungen in einem ausführbaren Plan zusammen. Der OPLAN DEU stellt dabei den militärischen Anteil der gesamtstaatlichen Verteidigungsplanung (inkl. der Anschlussstellen in den zivilen Bereich) dar und wird stetig weiterentwickelt. Er beschreibt den Einsatz der Bundeswehr in Deutschland in Frieden, Krise und Krieg und umfasst den Beitrag zur Bündnisverteidigung im Inland.
Die wesentliche Aufgabe des OPLAN DEU besteht darin, im Bündniskontext über die „Drehscheibe Deutschland“ einen schnellen Aufmarsch Verbündeter sowie eigener Streitkräfte an der NATO-Ostflanke in einem kurzen Zeitfenster zu gewährleisten. Dazu gehört die Sicherstellung von Transportwegen, Korridoren, Umschlagplätzen, Versorgungseinrichtungen sowie die Einbindung ziviler Verkehrsinfrastruktur und Dienstleistungen. Diese Fähigkeit ist ein zentraler Baustein glaubwürdiger Abschreckungsmaßnahmen, mit dem Ziel, einen potenziellen Gegner von einem Angriff auf das Bündnisgebiet abzuhalten. (…)
Zivile Verteidigung als Bestandteil der Landesverteidigung
Im Sinne des OPLAN DEU ist die zivile Verteidigung ein gleichrangiger Pfeiler der Gesamtverteidigung. Sie dient nicht nur dem Schutz der Bevölkerung, sondern auch der Aufrechterhaltung der Handlungsfähigkeit des Staates, der Behörden und der Streitkräfte. Zivile Akteure – von Behörden über Hilfsorganisationen bis zu privatwirtschaftlichen Betreibern – sind daher unverzichtbare Partner. Ihre Aufgabe ist es, das Funktionieren der lebenswichtigen Infrastruktur sicherzustellen, Versorgungslücken zu schließen und militärische Kräfte durch gezielte Unterstützungsleistungen zu entlasten. (…)
Den vollständigen Beitrag lesen Sie im Deutschen Polizeiblatt 1.2026, S. 4 f.
