Sicherheit

Entwicklung einer Zutrittskontrollanlage – Projektbericht

Zutrittskontrollanlage – komplett selbst entwickelt und gebaut

Täglich besuchen internationale Gruppen Freiburgs Green City im Stadtteil Vauban. Neben Plusenergiehäusern, innovativen Bau- und Wohnkonzepten lauert eine im Detail sehr spannende Innovation. Das Stadteilzentrum hat in Zusammenarbeit mit drei lokalen Dienstleistern ein Zutrittskontrollsystem komplett entwickelt und installiert.
Im Stadtteilzentrum finden sich Büros, Vereine, Räume für Kunst- und Gesundheitsgruppen sowie zwei Veranstaltungssäle und ein Restaurant. Der Hausmeister konnte seine eigentlichen Aufgaben, z.B. Kleinreparaturen, kaum wahrnehmen und war fast ausschließlich mit dem Verwalten der Schlüssel beschäftigt. Zu viele Schlüssel wurden ausgegeben und ein Raum hatte bis zu zehn Untermieter. Nach nächtlichen Vorfällen konnten Verdächtige nicht ermittelt werden.
 

Bild 1: Stadtteilzentrum Objekt Haus 037; mehrfach genutztes Gebäude.
Finanzierungsmöglichkeiten

Die Angebote der großen Hersteller von Zutrittkontrollanlagen waren für das Non-Profit-Haus nicht erschwinglich, Mehrwerte wie Nutzerselbstverwaltung via Internet und die automatische Heizungssteuerung war bei Raumnutzung oder Leerstand mit Standardlösungen kaum umsetzbar.
Mit Fördergeldern aus dem Programm Experimenteller Wohnungs- und Städtebau „ExWoSt“, koordiniert von der RWTH Aachen, wurde ein Projekt zur Entwicklung und zum Bau einer Zutrittskontrollanlage realisiert.

Praktische Lösung

Wer im Internet den Saal für eine private Feier bucht, erhält seinen Zutrittscode zum Öffnen der Türen und Zwischentüren per E-Mail. Zur Sicherheit ist der jeweilige Code nur zur Anmietzeit gültig. Die Nutzer entscheiden selbst, ob die Türen für die Dauer der Veranstaltung oder z.B. für Nachzügler offen bleiben. Berücksichtigt wurden auch Brandschutz, Fluchtwege, technische Störungen, geringe Anschaffungs- und Wartungskosten und vor allem die autonome Administration über das Internet durch alle berechtigte Nutzer.
 

Bild 2: Benutzerselbstverwaltung – Buchungen im Internet
Technische Ausstattung

Die Lösung ist langfristig angelegt. Ein Produkt, der Hersteller oder der Dienstleister kann in zehn Jahren nicht mehr verfügbar sein. An den Türen sind Schlösser der Serien 509 und 609 ASSA ABLOY eingesetzt. Mit der Antipanikfunktion sind verriegelte Türen von innen durch Herunterdrücken der Klinke jederzeit zu öffnen. An den Türaußenseiten finden sich vandalismusgeschützte Tastaturen, auf Displays wurde verzichtet. Alle Türen sind mit der Zentrale verkabelt.
 

Bild 3: Schließanlagen-Steuereinheit mit Standardkomponenten für das Stockwerk;
Quelle: security-counsel

Die Hardware zur Steuerung ist auf wesentliche Funktionen reduziert und daher kostengünstig; neben den Linux-Kleinstrechnern und selbst entworfenen Interfaceplatinen im Europakartenformat werden nur Standardkomponenten verwendet. In der Entwicklung ist bereits die nächste Version mit hutschienenfähigen Komponenten.
Alle Komponenten der Programmierung entstammen der Open-Source Welt (PHP, MySQL, u.v.a.), dadurch ist der Code auch durch Nachfolgefirmen zu pflegen und kann erweitert werden.

 

Praxishinweise
  • Der Hausmeister erhält eine SMS, wenn eine Tür zu lange offen steht oder eine Tür ohne Buchung geöffnet wird. Schlüssel müssen nicht mehr ausgegeben werden.
  • Ein Ausfall von Internet und Strom berührt die Kernfunktionen nicht.
  • Ein Teil der Kosten wird durch reduzierte Heizkosten amortisiert, da unbenutzte Räume automatisch weniger beheizt werden.
  • Der Aufwand der Online-Verkabelung aller Türen reduziert den Wartungsaufwand und schont die Umwelt (keine Batterien).
  • Das Projekt hat Modellcharakter für weitere Anwendungen, Anfragen gibt es bereits.