Sicherheit

Maßnahmen bei telefonischen und schriftlichen Bombendrohungen

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Bombendrohung als unternehmerische Herausforderung

Bombendrohungen (vgl. auch Bombendrohung: Entscheidung nur nach Notfallplan [Walfried O. Sauer], Sicherheitsmelder vom 12.01.04) können jedes Unternehmen treffen. Meist gehen sie telefonisch, seltener schriftlich oder per E-Mail ein. Die Gründe sind vielfältig und haben selten einen klassisch-terroristischen Hintergrund. Erpressung ist ebenso ein Grund wie Rachehandlungen von Innentätern, die ihre Loyalität zum Unternehmen aus unterschiedlichen Gründen aufgegeben haben. Politische Gründe sind ebenso möglich, wie Bestrafungen für vermeintliches Fehlverhalten oder einfach Freude am Verbotenen.

Der Täter kann i.d.R. aus dem Verborgenen heraus handeln und bestimmt Zeit und Ort. Unabhängig davon, dass es in den seltensten Fällen zu einem Anschlag oder Anschlagsversuch kommt, ist jede Drohung solange ernst zu nehmen, bis die Drohung zweifelsfrei als nichtig erkannt ist.

Notfallplanung

Um den Schaden für ein Unternehmen gering zu halten, kann durch eine vernünftige Notfallplanung vorgearbeitet werden. Diese lässt sich im Groben in vier Bereiche unterteilen:


  1. Planung und Vorbereitung,

  2. Verhalten bei Eingang einer Drohung,

  3. Evakuierung und Räumung und

  4. Suche.


Die im Folgenden dargestellten Punkte sind als grober Anhalt zu sehen und müssen auf die individuellen Rahmenbedingungen jedes einzelnen Unternehmens zugeschnitten werden.

Planung und Vorbereitung

Hier hinein gehören Überlegungen zum Risikoprofil des Unternehmens. Letzteres kann im Unternehmenszweck determiniert sein (z.B. Rüstungsbereich und Gentechnik), in internen Gründen (z.B. anstehende Massenentlassung) oder anderen Gründen.

In die Planungsüberlegungen gehören Betrachtungen aus Sicht eines möglichen Täters. Welchen Schaden kann er durch eine Drohung/einen tatsächlichen Anschlag erreichen ?

Welche Möglichkeiten des unerlaubten Eindringens oder Einbringens bestehen und wie kann diesen begegnet werden (Zugangskontrollen Post- und Gepäckkontrolle, Videoüberwachung u.a.) ?

Dazu gehören aber Überlegungen über Verantwortlichkeiten, Melde- und Entscheidungslinien, Zuarbeit fremder Kräfte und Beübung bestimmter Prozeduren, alles unter dem Hintergrund eines minimalen Risikos für Mensch und Besitz und einer möglichst geringen Störung der Betriebsabläufe bzw. schnellstmöglichen Wiederherstellung derselben. Dazu gehört auch die Medienarbeit.

Verhalten bei Eingang einer Drohung

Da die weitaus meisten Bombendrohungen telefonisch eingehen bietet es sich an, dass Personal, welches Gespräche von außen entgegen nimmt, zu schulen. Auch wenn diese selten die Entscheidungsträger sind und daher keine Ernsthaftigkeitsprüfung vornehmen, so nehmen sie doch die notwendigen Informationen für dieselben auf.

Informationen müssen so genau wie möglich und unverfälscht weitergegeben werden. Vermutungen müssen von Fakten getrennt werden.

Eine am Telefon liegende Checkliste, im Internet, bei den Polizeien und beim Verfasser verfügbar, leistet dazu Hilfe. Die Arbeit mit der Checkliste muss vorher geübt werden, ein zweiter Zuhörer sollte durch ein non-verbales Zeichen (z.B. Hochheben einer roten Karte) hinzugezogen werden. Wenn möglich, ist das Gespräch aufzuzeichnen.

Die Frage nach der Größe des Sprengsatzes und nach dem Wo sind für die Ernsthaftigkeitsprüfung aufschlussreich. Ein Hinweis, der auf erfolgten Zugang deutet, erhöht die Ernsthaftigkeit der Bedrohung. Die Frage nach dem Namen des Täters ist keinesfalls lächerlich – kommt sie für einen unter erheblichem Stress stehenden Täter völlig überraschend, so wird er situativ überfahren und antwortet wahrscheinlich. Weiteres Verhalten kann in Schulungen vermittelt werden.

Bei Eingang schriftlicher Bombendrohungen ist alles Material einschließlich des Briefumschlages in durchsichtigen Klarsichthüllen auzubewahren und so wenig wie möglich mit fremden Fingerabdrücken zu kontaminieren.

Vorhandene Meldeketten und Prozeduren müssen abgearbeitet werden, so dass Entscheidungen getroffen werden können. Diese können lauten:


  • Keine Handlungen erforderlich (da mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht ernsthaft),

  • Durchsuchung ohne Evakuierung,

  • Durchsuchung mit Teilevakuierung oder

  • Sofortige komplette Evakuierung.

Evakuierung

Eine Evakuierung hier erschöpfend darzustellen, würde den gegebenen Rahmen bei Weitem sprengen. Daher erfolgen nur einige Stichworte, welche an anderer Stelle der weiteren Erläuterung bedürfen.


  • Fluchtwege und Sammelplätze,

  • Vorabsuche nach USBV,

  • Evakuierungsverantwortliche und -signale,

  • Verhalten bei Verlassen der Betriebsstätten,

  • Vollzähligkeitsüberprüfungen,

  • Zusammenarbeit mit Rettungs- und behördliche Einsatzkräften sowie

  • Wiederaufnahme des Arbeitsbetriebs.

Suche

Für die Suche gilt Entsprechendes wie für die Evakuierung. Auch daher nur Stichworte:


  • Auswahl, Ausbildung und Dienstanweisung von bzw. für Suchteams,

  • Verhalten bei Fund (wo eine USBV gefunden wurde kann auch eine zweite sein) und

  • Zusammenarbeit mit Rettungs- und behördliche Einsatzkräften.


Auch hier gilt: Was nicht geübt wurde, funktioniert nicht. Übungen sollten ehrlich sein, da sonst keine Schwachstellen aufgedeckt werden und diese nicht abgestellt werden können.







Praxishinweise


  • Eine Ernsthaftigkeitsprüfung beruht immer auf unklaren Informationen und ist daher potentiell unsicher.

  • Nicht zu Handeln, kann den größeren Schaden bedeuten.

  • Zweckmäßiges Handeln lässt sich lernen und üben.