Sicherheit

Widerstandswert

© rcx - Fotolia.com

Der Widerstandswert bezeichnet die Zeitspanne, die ein Bauteil einem kriminellen Angriff standhalten wird. Die Zeitangabe dient dem Qualitätsvergleich mechanischer Sicherheitseinrichtungen und erfolgt üblicherweise in Minuten.

Die angegebene Dauer gilt unter der Voraussetzung, dass der Angriff mit bestimmten Werkzeugen erfolgt. Grundlage ist die unter Experten unstrittige Annahme, dass Kriminelle nicht unbegrenzte Mittel einsetzen, sondern in der Regel nur bestimmte Werkzeuge, die günstig, leicht transportierbar, leise und einfach zu handhaben sind. Werden diese Werkzeuge verschiedenen Täterprofilen zugeordnet (dem Gelegenheitstäter mit Stein oder Schraubendreher oder dem Profi mit Nageleisen), kann unter standardisierten Testbedingungen der Widerstandswert ermittelt werden.

Der Widerstandswert für Fenster, Türen oder Gitter wird gem. DIN EN 1627 in einer Prüfung festgestellt. Beispielsweise besagt die resistence class 3 (RC3), dass ein gewohnt vorgehender Täter trotz Zuhilfenahme von Keil, Schraubendreher und Nageleisen das Bauteil nicht innerhalb von fünf Minuten öffnen kann. Dies schließt allerdings nicht aus, dass RC3 klassifizierte Bauteile mit anderen Werkzeugen schneller zu öffnen sind, z.B. durch Anstoßen mit einem Auto oder einem Winkelschleifer.

Grundsätzlich ist der Widerstandswert ein konservativer Wert. Der Prüfer greift exakt die Schwachstellen des Bauteils an und weiß mit den Werkzeugen umzugehen. Um den Angriff von zwei oder mehreren, parallel arbeitenden Tätern zu simulieren, wird dem Prüfer zugestanden, Pausen einzulegen, in denen er seine Kräfte wieder sammeln kann. So wurde ein RC2-Bauteil, welches drei Minuten Werkzeugkontaktzeit standhält, innerhalb von 15 Minuten Gesamtprüfzeit getestet.

Die Werkzeugkontaktzeit entspricht dem Widerstandswert. Der Begriff Widerstandswert ist synonym zu Widerstandszeit. Anhand der Widerstandswerte und Werkzeuge erfolgt die Einstufung in Widerstandsklassen.

Probleme mit dem Widerstandswert
  • Die Prüfung nach DIN EN 1627 ist eine Bauteilprüfung. Werden Änderungen am Bauteil vorgenommen, ist die Gültigkeit des zuvor ermittelten Widerstandswertes fraglich. In der Praxis sind Änderungen an eingebauten Bauteilen, Produktinnovationen häufig erforderlich oder gewünscht. Im Falle von Änderungen am Bauteil kann der Widerstandswert mithilfe einer sogenannten Gutachterlichen Stellungnahme oder einer erneuten Prüfung nach DIN EN 1627 festgestellt werden.
  • In Bezug auf viele mechanische Bauteile ist das wichtigste Qualitätskriterium nicht die Widerstandszeit, sondern allein die Angriffs-Art bzw. das Angriffs-Werkzeug. Dies gilt insbesondere für Angriffe wie Beschuss, Sprengwirkung, Durchbruch und Durchwurf. Bei diesbezüglichen Normen, z.B. für Glas, erfolgen Qualitätsvergleich und Klassifizierung mithilfe der Angabe der Munition, der Werkzeuge oder der Sprengsätze, gegen die ein Widerstand besteht.
Praxishinweise:
  • U.a. im Rahmen von Ausschreibungen können Widerstandswerte und Widerstandsklassen unter Bezugnahme auf die jeweilige Prüfnorm zur besseren Vergleichbarkeit der Produkte führen.
  • In Sicherheitskonzepten werden die erforderlichen Widerstandswerte häufig aus den Interventionszeiten von Polizei oder Sicherheitsdienst abgeleitet. Sinnvoll ausgestattet ist ein Schutzobjekt mit einem Widerstandswert, der mindestens der Interventionszeit entspricht. Begriffsverwendung und Abgrenzung: Häufig wird anstelle von Widerstandswert oder Widerstandszeit der Begriff Widerstandszeitwert verwendet. Um Missverständnisse zu vermeiden, empfiehlt der Autor primär die Verwendung des Begriffs Widerstandszeit. Dieser setzt voraus, dass die Werkzeuge oder die Angriffsart benannt werden müssen gegen bzw. für die der Widerstand besteht.
  • Im Kontext von Wertschutzschränken wird der Begriff Resistance Unit (RU) verwendet, der Ähnlichkeit zum Begriff Widerstandswert hat. Die RU ist eine abstrakte Widerstandseinheit zur Qualitätsbewertung von Wertschutzschränken. RUs werden ebenfalls durch Tests mit bestimmten Werkzeugen ermittelt, Berücksichtigung finden dabei aber auch Lärm, Rauch und Gase, da sie die Entdeckungswahrscheinlichkeit der Täter erhöhen.