Rechtliches

Wegeunfall nach Wiederholung des Nachhausewegs

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Ein Arbeitnehmer verließ nach Feierabend seine Arbeitsstätte um kurz nach 16 Uhr. Er kehrte um 17.30 Uhr noch einmal zurück, um seinen vergessenen Geldbeutel aus seinem Spind zu holen. Im Betrieb unterhielt er sich mit zwei Kollegen über seine Arbeitsplatzsituation. Nach diesem Gespräch verließ er um 17.45 Uhr erneut die Arbeitsstätte. Gegen 18 Uhr verunglückte er auf dem direkten Heimweg kurz vor seinem Wohnort.

Unfallversicherungsschutz trotz Unterbrechung des Heimweges

Er beantragte beim zuständigen Unfallversicherungsträger die Entschädigung des Unfalls als versicherten Wegeunfall. Er konnte sich dabei auf § 8 Abs. 2 Nr. 1 Sozialgesetzbuch Siebtes Buch berufen. Danach handelt es sich auch dann um eine versicherte Tätigkeit, wenn jemand „beim Zurücklegen der mit der versicherten Tätigkeit zusammenhängenden unmittelbaren Wege nach und von dem Ort der Tätigkeit verunglückt“.

Der Unfallversicherungsträger lehnte die Entschädigung allerdings mit der Begründung ab, dass der Arbeitnehmer aus privaten, nicht mit seiner betrieblichen Tätigkeit im ursächlichen Zusammenhang stehenden Gründen erneut seine Arbeitsstätte aufgesucht habe. Der Rückweg vom Betrieb sei eine eigenwirtschaftliche (private) und damit unversicherte Fahrt gewesen.

Das Bundessozialgericht war anderer Auffassung. Es stellte vielmehr das Vorliegen eines versicherten und damit entschädigungspflichtigen Arbeitsunfalls fest.

Der Verunglückte sei als Beschäftigter versichert gewesen, als er an diesem Tag auf dem direkten Weg von seinem Arbeitsplatz zu seinem Wohnort gegen 18 Uhr mit dem Motorrad stürzte. Entgegen der Auffassung des Unfallversicherungsträgers befand sich der Arbeitnehmer im Unfallzeitpunkt auf der Rückfahrt von seiner versicherten Tätigkeit. Diese hatte er nämlich erneut aufgenommen, als er nach Rückkehr in den Betrieb aus privaten Gründen dort mit dem Kollegen eine seinen Arbeitsbereich betreffende Angelegenheit besprach. Eine Unterbrechung des Rückwegs lag somit nach Ansicht des Gerichts nicht vor.

(Bundessozialgericht, Urteil vom 14.11.2013 – B 2 U 27/12 R –).

 

Quellen:

Horst Marburger, Wegeunfall nach Wiederholung des Nachhausewegs, Die  Fundstelle Baden-Württemberg, 2/2015