Organisations- und Führungskonzepte

Persönliche Schutzausrüstungen: Neue Verordnung der Europäischen Union

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Seit 20. April 2016 ist die neue PSA-Verordnung der Europäischen Union in Kraft. Sie ersetzt die PSA-Richtlinie 89/686/EWG und richtet sich in erster Linie an die Hersteller von Persönlichen Schutzausrüstungen (PSA). Es gilt eine Übergangszeit von zwei Jahren. In dieser Zeit haben Hersteller, Behörden und Zertifizierungsstellen Gelegenheit, sich auf die Änderungen vorzubereiten.

Die Verordnung umfasst insgesamt etwa 98 Seiten. Die EU-Kommission hat bereits angekündigt, dass die PSA-Verordnung durch einen Leitfaden ergänzt werden soll. Sie kommt damit Anfragen nach der Auslegung des Textes entgegen.

Neue Einstufung von Produkten

Einige wesentliche Änderungen ergeben sich aus der veränderten Einstufung von Produkten als PSA. Es gibt drei Kategorien, denen unterschiedliche Prüfanforderungen zugeordnet sind.

Kategorie III umfasst ausschließlich die Risiken, die zu sehr schwerwiegenden Folgen wie Tod oder irreversiblen Gesundheitsschäden im Zusammenhang mit folgenden Einflüssen und Ereignissen führen können:

a) gesundheitsgefährdende Stoffe und Gemische;

b) Atmosphären mit Sauerstoffmangel;

c) schädliche biologische Agenzien;

d) ionisierende Strahlung;

e) warme Umgebung, die vergleichbare Auswirkungen hat wie eine Umgebung mit einer Lufttemperatur von 100 °C oder mehr;

f) kalte Umgebung, die vergleichbare Auswirkungen hat wie eine Umgebung mit einer Lufttemperatur von – 50 °C oder weniger;

g) Stürze aus der Höhe;

h) Stromschlag und Arbeit an unter Spannung stehenden Teilen;

i) Ertrinken;

j) Schnittverletzungen durch handgeführte Kettensägen;

k) Hochdruckstrahl;

l) Verletzungen durch Projektile oder Messerstiche;

m) schädlicher Lärm.

Mit der neuen Verordnung fallen künftig z.B. auch Produkte für den Gehörschutz, Rettungswesten oder PSA zum Schutz gegen Kettensägenschnitte unter diese Kategorie. Damit unterliegen sie der Produktionskontrolle durch eine notifizierte Stelle. Außerdem ergeben sich aus der veränderten Einstufung von PSA auch Konsequenzen für die Anwender von PSA. So gilt für Schutzausrüstungen der Kategorie III in Deutschland die Pflicht zu einer praktischen Unterweisung der Beschäftigten.

Die Konformitätserklärung

Hersteller müssen künftig die so genannte Konformitätserklärung jedem einzelnen Produkt beifügen. Die Erklärung bestätigt, dass das Produkt den Anforderungen der Verordnung entspricht. Bislang reichte es aus, die Konformitätserklärung „auf Verlangen“ vorlegen zu können.

Geltungsbereich der Verordnung

Der Geltungsbereich der Verordnung ist umfassender als zuvor. Sie nimmt künftig alle Wirtschaftsakteure in die Pflicht. Mussten bislang nur die Hersteller prüfen, ob ihre PSA-Produkte den Sicherheitsanforderungen entsprechen, werden künftig auch Händler und Importeure in die Verantwortung genommen. Sie müssen sich bei den gehandelten Produkten vergewissern, dass sie geprüft wurden und über eine entsprechende Bescheinigung verfügen.

Baumusterprüfungen nur noch für fünf Jahre

Eine wichtige Änderung ist die Aufhebung der bisher unbegrenzt geltenden EU-Baumusterprüfungen. Nach der neuen Verordnung werden die Baumusterprüfungen nur noch für längstens fünf Jahre ausgestellt. Damit ist der Hersteller gezwungen, sein Produkt nach spätestens fünf Jahren genau zu prüfen und entweder der Zertifizierungsstelle zu bestätigen, dass sich nichts geändert hat oder aber etwaige Änderungen durch diese Stelle unabhängig prüfen zu lassen.

Inverkehrbringen von PSA

Beim Inverkehrbringen von PSA sollte jeder Einführer auf der PSA seinen Namen, seinen eingetragenen Handelsnamen oder seine eingetragene Marke und die Postanschrift, unter der er erreichbar ist, angeben. Durch die Sicherstellung der Rückverfolgbarkeit einer PSA über die gesamte Lieferkette hinweg können die Aufgaben der Marktüberwachung einfacher und wirksamer erfüllt werden. Auch Rückruf und Rücknahme werden in der Verordnung angesprochen.

 

Quellen

Ggf. verwendet/in den Text eingeflossen:

http://www.dguv.de/de/mediencenter/pm/Pressearchiv/2016/quartal_2/details_q2_128142.jsp

http://www.dguv.de/fb-psa

http://www.dguv.de/ifa/psa