Sicherheit

Drogen und Straßenverkehr: Verkehrsunfälle mit Personenschaden

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 Im Folgenden lesen Sie einen aktuellen Auszug aus der Neuauflage: Winterberg, „Betäubungsmittel im Straßenverkehr“, 3., aktualisierte und erweiterte Auflage 2017:

Während die Gefahren durch alkoholisierte Kfz-Führer im Straßenverkehr bereits hinreichend bekannt sind, blieben diese im Hinblick auf Drogen- und Medikamentenkonsumenten leider lange Zeit außer Acht. Bedauerlicherweise kommt es jedoch immer häufiger vor, dass gerade diese im Straßenverkehr auffällig werden, im schlimmsten Falle dann, wenn ein Unfall passiert. Im Jahre 2015 gab es im Straßenverkehr ca. 157 000 Alkohol- und Drogenverstöße1, unter anderem wurde 1386 Personen die Fahrerlaubnis gem. § 69 StGB wegen Verkehrsstraftaten im Zusammenhang mit Drogen entzogen.2

Bereits in naher Zukunft, nämlich bis zum Jahre 2020, wird es eine demografisch bedingte Verdoppelung der Anzahl älterer Menschen geben, die von Substanzmissbrauch oder dessen Folgen betroffen sind.3 Auch das wird sich entsprechend im Verkehr auswirken.

Seit einigen Jahren begegnet man dem Problem Betäubungsmittel und Arzneimittel im Straßenverkehr mit speziellen Kontrollen, bei denen auch Drogenvortests zum Einsatz kommen. Voraussetzung für die erfolgreiche Identifikation eines berauschten Verkehrsteilnehmers ist jedoch immer, dass die Beamten bei der Verkehrskontrolle bereits die Zeichen für einen Drogen- oder Arzneimittelkonsum erkennen. Denn erst dann ist als Abrundung der Feststellungen ein Drogenvortest sinnvoll. Es muss letztendlich auch mit der Ablehnung eines Vortests durch den Verdächtigen gerechnet werden, so dass die Beobachtungen alleine in letzter Konsequenz eine Blutprobe und weitere Maßnahmen rechtfertigen müssen. Es wird darüber hinaus möglicherweise die Einnahme einer durch einen Vortest nicht detektierbaren berauschenden Substanz vorliegen können.

Das Institut für Rechtsmedizin der Universität des Saarlandes veröffentlichte 1994 folgendes Ergebnis einer Untersuchung:

660 Blutproben von verkehrsauffälligen Fahrern ergaben in ca. 14 % Feststellung von Drogen und/oder Medikamenten, in 9,8 % zusätzlich Alkohol. In ca. 86 % der Blutproben wurde nur Alkohol nachgewiesen.

Das Institut für Rechtsmedizin der Universität München stellte 1992 bei einer Analyse von 1312 Blutproben auffällig gewordener Kraftfahrer unter 40 Jahren fest: Ca. 25 % der Blutproben enthielten Cannabis, 12,7 % Opiate und 4,2 % Cocain.4

In einer Studie aus den Jahren 2000 und 2001, für welche vor Kneipen, Discotheken und Cafes Partydrogenkonsumenten zur Fahrzeugnutzung befragt wurden, gaben 94 Prozent an, regelmäßig unter akutem Drogeneinfluss Auto zu fahren, durchschnittlich 3,5-mal monatlich. Angeblich fuhren 83 Prozent regelmäßig unter Einfluss von Ecstasy, ein Viertel fuhr angeblich oft oder täglich unter Drogeneinfluss, 14 Prozent hatten eigenen Angaben nach bereits einen Unfall unter Drogeneinfluss, wobei der Konsum unentdeckt blieb.5

Der Bericht des nationalen (deutschen) REITOX-Knotenpunktes 2006 zitiert einen Richtwert, der davon ausgeht, dass eine von 600 Fahrten unter Rauschmitteleinfluss entdeckt wird, gegenüber einer von 300 Fahrten bei Alkohol.6

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1 http://www.kba.de/DE/Statistik/Kraftfahrer/Verkehrsauffaelligkeiten/verkehrsauffaelligkeiten_inhalt.html; abgerufen 17.1.2017

2 KBA, Fahrerlaubnisse-Maßnahmen zu allgemeinen Fahrerlaubnissen, S. 12.

3 EMCDDA, Substanzkonsum im Alter, S. 1.

4 BT-Drucksache 13/3764 vom 8.2.1996.

5 Kubitzki, ZVS 2001, S. 178

6 Bericht 2006 des nationalen REITOX-Knotenpunktes an die EBDD, S. 115.

 

Praxishinweis:

Betäubungsmittel im Straßenverkehr, von Carsten Winterberg, Polizeihauptkommissar
2017, 3., aktualisierte und erweiterte Auflage, 104 Seiten, ISBN 978-3-415-05947-4