Sicherheit

Beschluss: Sofortmaßnahmen gegen unangeleinten Hund sind rechtmäßig

©Evelina - stock.adobe.com

Ein Mann joggte in einem Waldstück, wobei er an der Leine eine Hündin mit sich führte. Zur gleichen Zeit ging dort ein Ehepaar mit seinem Hund spazieren. Die Eheleute hatten das Tier nicht angeleint. Nach der örtlichen Gefahrenabwehrverordnung bestand die Verpflichtung, Hunde außerhalb bebauter Ortslagen umgehend und ohne Aufforderung anzuleinen, wenn sich andere Personen nähern oder sichtbar werden.

Der Hund der Eheleute verschwand schließlich aus deren Sichtweite und rannte auf den Jogger und dessen Hündin zu. Der Mann rief die für ihn nicht sichtbaren Hundehalter auf, ihren Hund zurückzurufen und anzuleinen. Trotz entsprechender Rufe des Ehepaars kam der Hund jedoch nicht zurück.

Bei dem Versuch, den Hund mit einem Ast von sich fernzuhalten, rutschte der Jogger aus und zog sich einen Riss der Quadrizepssehne zu, der operativ versorgt werden musste.

Der Jogger verlangte von dem Ehepaar Schadenersatz und Schmerzensgeld. Die Eheleute verwiesen demgegenüber darauf, dass sich ihr Hund erkennbar nicht aggressiv verhalten habe und er lediglich die mitgeführte Hündin umtänzelt habe, um mit dieser zu spielen. Die Abwehrhandlung des Joggers sei daher nicht erforderlich gewesen, weshalb sie nicht für die geltend gemachten Schäden haften würden.

Beim Oberlandesgericht Koblenz1 hatte die Schadenersatz- und Schmerzensgeldklage des Joggers jedoch vollen Erfolg.

Verhalten des Hundes muss nicht analysiert werden

Das Ehepaar haftete nach Auffassung des Gerichts für die Schäden des Joggers, weil die Eheleute gegen die örtliche Gefahrenabwehrverordnung verstoßen hatten, indem sie ihren Hund im Wald außerhalb eigener Sichtweite laufen ließen und damit nicht mehr jederzeit anleinen konnten.

Ohne Bedeutung sei, ob der Hund der Eheleute nur mit der mitgeführten Hündin des Joggers habe spielen wollen. Denn es sei einem Spaziergänger – mit oder ohne eigenen Hund – unter Berücksichtigung der Unberechenbarkeit tierischen Verhaltens nicht zumutbar, zunächst das weitere Verhalten des Hundes auf seine Gefährlichkeit zu analysieren und zu bewerten. Damit liefe der Spaziergänger Gefahr, das Verhalten des Hundes falsch zu interpretieren.

Gelange ein fremder Hund unangeleint und ohne Kontrolle durch den Halter in die Nähe eines Spaziergängers oder Joggers, so dürfe dieser effektive Abwehrmaßnahmen ergreifen. Dies sei hier durch die Abwehr des Tiers mittels eines Asts in angemessener Weise geschehen. Verletze sich der Betreffende hierbei, so hafte der Hundehalter in vollem Umfang; auch ein Mitverschulden des Verletzten komme nicht in Betracht.

1 Beschluss des Oberlandesgerichts Koblenz vom 18. Oktober 2018 – 1 U 599/18, besprochen in RdW 2019 Rn. 60