Gefahrenabwehr

Urteil im Strafverfahren zum Explosionsunglück bei der BASF SE in Ludwigshafen

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Am 17.10.2016 kam es im rheinland-pfälzischen Ludwigshafen auf dem Betriebsgelände der BASF SE zu einem der schwersten Explosionsunglücke der letzten Jahrzehnte. Bei diesem kamen 4 Werkfeuerwehrmänner der BASF und ein Arbeiter auf einem Tankschiff ums Leben. 28 Menschen wurden durch die Explosion verletzt, 8 davon schwer. Durch die Explosion, aber auch durch den damit verbundenen Betriebsausfall ist ein Schaden von rund 500 Millionen Euro entstanden. Das Landgericht Frankenthal hat in einem Strafverfahren nun den vorläufigen Schlusspunkt gesetzt.

Das ist passiert im Hafen der BASF SE

Am 17.10.2016 fanden auf dem Hafengelände der BASF SE in Ludwigshafen Wartungsarbeiten an Rohren in einem Rohrgraben statt. Das Hafengelände ist wichtiger Umschlagplatz für die Produkte der BASF, aber auch für Rohstoffe für die Produktion. Zum Zeitpunkt der Explosion wurden gerade zwei Schiffe, darunter ein Tankschiff be- oder entladen. Mit den Wartungsarbeiten wurde ein Subunternehmen beauftragt, welches regelmäßig Arbeiten für die BASF SE durchführt. Darunter auch ein 63 Jahre alter Schweißer. Dieser hatte am Unglückstag die Aufgabe, mit einem Trennschleifer entsprechende Rohrschnitte an einem Rohr vorzunehmen. Das betreffende Rohr ist gekennzeichnet, ein Brandposten zur Kontrolle und Absicherung der Arbeiten ist vor Ort. Alle notwendigen Unterlagen und Freigaben, unter anderem ein Erlaubnisschein für die feuergefährlichen Arbeiten, liegen vor. Das betreffende Rohr ist nicht mehr befüllt, was mehrfach getestet wurde.

Anders sieht es mit den anderen Rohren im Rohrgraben aus. Diese sind in Betrieb, darunter unter anderem eine Ethylen-Fernleitung mit einem Druck von 80 bar und eine Propylen-Fernleitung mit 20 bar Druck. Gegen 11.21 Uhr am 17.10.2016 kam es durch einen Schnitt mit dem Trennschleifer des Schweißers, zu einem Brand. Ursächlich dafür war ein Schnitt am nicht dafür vorgesehenen Rohr, vielmehr hat es sich hierbei um ein Rohr im Betrieb gehandelt. Dadurch kam es zu einem Entstehungsbrand und letztlich um 11.27 Uhr zu einer ersten Explosion. Das Feuer konnte erst gegen 16.25 Uhr unter Kontrolle gebracht und letztlich um 21.30 Uhr gelöscht werden. Der Schweißer erlitt durch die Explosion schwere Verbrennungen. Seit Monaten musste sich der Schweißer vor dem Landgericht Frankenthal für die Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion, fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung auf dem Gelände der BASF SE verantworten.

Die strafrechtliche Aufarbeitung des Explosionsunglücks

In 28 Verhandlungstagen mit 28 Zeugen und 9 Sachverständigen, wurde das Explosionsunglück durch das Landgericht Frankenthal strafrechtlich aufgearbeitet. Jetzt am Ende des Verfahrens, wurde der Schweißer durch das Gericht schuldig gesprochen. Beim Strafmaß ist das Landgericht Frankenthal dem Antrag der Staatsanwaltschaft von einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung und einer Geldauflage gefolgt. Die Verteidigung hatte einen Freispruch oder eine geringe Freiheitsstrafe von 6 Monaten gefordert. Die Nebenklage, unter anderem Eltern der ums Leben gekommenen Werkfeuerwehrleute, forderte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und 6 Monaten.

Mögliche Mitschuld am Unglück

Die relativ niedrige Strafbemessung durch das Landgericht hatte mehrere Hintergründe. Zum einen konnte dem Schweißer keine Absicht unterstellt werden. Bereits seit 10 Jahren war der Mann auf dem Gelände der BASF tätig, ohne dass es zu einem Zwischenfall kam. Das Gericht geht hier von einem Blackout beim Schweißer aus, der dadurch die Rohre verwechselt hat.

Der Schweißer selbst konnte den fatalen Schnitt nicht erklären, er hat an diesen Tag keine Erinnerungen mehr. Das Landgericht Frankenthal sieht beim Explosionsunglück aber auch eine Mitschuld Dritter, unter anderem aus dem Bereich der BASF SE. Nach Auffassung des Landgerichts wären weitergehende Sicherheitsmaßnahmen möglich und auch erforderlich gewesen. Diese sind aber unterblieben, obwohl es in der Vergangenheit schon zu ähnlichen Zwischenfällen gekommen war.

Anmerkung des Autors

Wenngleich das Strafverfahren gegen den verantwortlichen Schweißer mit dem Urteil sein vorläufiges Ende (zum Zeitpunkt des Artikels, ist das Urteil noch nicht rechtskräftig) gefunden hat, lassen sich ergänzende Fragen stellen. Am Beispiel vom Brandposten lässt sich das verdeutlichen:

  • Die Aufgabe eines Brandpostens ist die Kontrolle und Überwachung der Arbeiten, aber auch die Einleitung von Erstmaßnahmen in einem Notfall. Wo befand sich der Brandposten und warum gelang es diesem nicht, den falschen Schnitt zu verhindern?
  • Wie genau kam es zur Explosion? Gab es keine Erstmaßnahmen der Brandbekämpfung? Welche Löschgeräte standen zur Verfügung?
  • Zwischen dem ersten Notruf bei der Werkfeuerwehr (11.21 Uhr) und der ersten Explosion (11.27 Uhr) lagen rund 6 Minuten Zeit. Erfolgte keine Räumung des Arbeitsbereichs und der Umgebung?

Eine solche öffentliche Aufklärung im Detail muss sicherlich kein Strafprozess leisten, hier wäre eine neutrale Aufarbeitung, zum Beispiel durch eine Expertenkommission wünschenswert. Wie eingangs erwähnt, handelt es sich bei diesem Unglück um eines der schwersten Explosionsunglücke der letzten Jahrzehnte im betrieblichen Bereich. Gerade deshalb wäre eine neutrale Aufarbeitung nicht nur wünschenswert, sondern auch notwendig.

Auch um ganz allgemeine Fragen klären zu können, ob es zum Beispiel eine bessere Ausbildung von Brandposten braucht? Wie können Fehlschnitte an Rohren verhindert werden, zum Beispiel durch eine bessere Kennzeichnung? Was für Möglichkeiten der Kennzeichnung bieten sich an? Muss generell das Freigabeverfahren von Arbeiten, wie feuergefährliche Arbeiten, überarbeitet werden?

Und auch aus Feuerwehrsicht stellt sich die Frage, kann man aus dem Explosionsunglück und dem Vorgehen der BASF-Werkfeuerwehr etwas lernen? Unter Umständen gibt es hier entsprechende Verbesserungen in der Ausbildung und Einsatztaktik, die in die Ausbildung von Feuerwehrleuten einfließen kann. Hier wäre jetzt die BASF SE gefragt, entsprechende Schritte zu unternehmen, damit es zu einem solchen Explosionsunglück nicht mehr kommen kann.

 

Quelle: Pressemeldungen des Landgerichts Frankenthal