Rechtliches

Serie: „Detektive Kocks klären“ – Heute: Krankmeldung für sparsamen Umzug

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In unserer neuen Serie möchten wir Ihnen einen Einblick in die tägliche Arbeit eines professionellen Detektivbüros ermöglichen. Dazu gewährt uns die Wirtschaftsdetektei Kocks Einblicke ins Innere und nimmt uns einen Tag bei ihrer Arbeit mit. In der heutigen Ausgabe: Ein Mitarbeiter meldet sich krank. Eine Scheinkrankmeldung, also Lohnfortzahlungsbetrug?

Die Krankschreibung

Kurz vor Weihnachten. Der Mitarbeiter eines Automotive-Unternehmens hatte seine Wohnung bis zum 31. Dezember zu räumen und zu renovieren.

Drei Tage vor dem geplanten Umzug erreichte den Auftraggeber die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung eines Orthopäden, aus der hervorging, dass der Mitarbeiter bis einschließlich 31. Dezember krankgeschrieben sei.

Die Gerüchteküche im Unternehmen ließ deutlich vermuten, dass es sich um eine Scheinkrankmeldung, also Lohnfortzahlungsbetrug, handeln soll. Dies nahm der Personalchef des Unternehmens zum Anlass, eine Überprüfung durchzuführen. Laut Hinweisen aus der Belegschaft habe sich die Zielperson dahingehend geäußert, dass sie den Umzug mit Freunden gemeinsam stemmen werde.

Die Krankmeldung eines Orthopäden aber lässt stark vermuten, dass die Beweglichkeit und vor allem die Fähigkeit, schwere Gegenstände zu transportieren, nur sehr eingeschränkt oder kaum möglich sein dürften… und jetzt der Umzug?

Die Observation

Die Wirtschaftsdetektei hat den Auftrag angenommen. Das „Berechtigte Interesse“ erschien ausreichend und die Einsätze begannen am Vortag des eigentlichen Umzuges.

Die Zielperson war fleißig mit dem PKW unterwegs, Einkäufe im Supermarkt und mehrmals in Baumärkten. Körperliche Beeinträchtigungen oder vergleichbare Einschränkungen der Beweglichkeit waren dabei nicht erkennbar.

Am Umzugstag waren zwei Detektive früh morgens vor Ort. Die Zielperson hielt sich in der Wohnung auf, als ein Leihumzugswagen vorgefahren wurde. Der Fahrer begab sich in das Haus und erschien kurz darauf zusammen mit der Zielperson, beide trugen bereits erste Einrichtungsgegenstände, die in den Transporter verstaut wurden.

Die Dokumentation

Die Kosten für einen solchen Leihwagen richten sich nach der Mietdauer. Je schneller der Umzug beendet ist, um so günstiger fallen die Leihgebühren aus. Daher ist es sinnvoll, den Fahrer nicht alleine tragen zu lassen.

Im Verlauf der Aktivitäten wurden von beiden Personen auch große Möbel aus der 2. Etage in das Fahrzeug transportiert, insgesamt über eine Dauer von sieben Stunden mit nur wenigen Zigarettenpausen.

Am nächsten Tag wurde morgens mit der Ausladung des Umzugsgutes aus dem LKW durch beide Akteure an der neuen Wohnadresse des krankgeschriebenen Mitarbeiters festgestellt. Die Detektive dokumentierten weiter das Geschehen und erstellten einen ausführlichen Schriftbericht für den Auftraggeber.

Der Einsatz wurde mit dieser Feststellung vom Auftraggeber gestoppt. Schade, denn die Detektive hätten gern noch zur Vervollständigung den Ausladevorgang bis zum Ende und eventuell die Renovierungsarbeiten erlebt und ebenfalls dokumentiert.

Der Fall vor dem Arbeitsgericht

Zwei Monate später wurde der Fall vor dem Arbeitsgericht verhandelt. Der Mitarbeiter hatte inzwischen die Kündigung von seinem Arbeitgeber – dem Auftraggeber– erhalten und dagegen die Kündigungsschutzklage eingereicht.

Der Versuch, die Kündigung unwirksam werden zu lassen, scheiterte aufgrund des Detektivberichtes, der Detektivaussagen und der vor Gericht präsentierten Fotos. Damit wurde im Prozess rasch jedwede Verharmlosung der Aktivitäten bei dem Umzug entlarvt. Es waren ja tatsächlich mehr als nur die eingeräumten zwei leichten Einkaufstüten, die die Zielperson über sieben Stunden und nur am ersten Tag transportiert haben wollte.

Hinweis für Arbeitgeber

Hin und wieder sparen Auftraggeber an der falschen Stelle. Aus der Erfahrung wissen Detektive: Vor den Arbeitsgerichten braucht es mehr als nur eine „Einmalfeststellung“ von Fehlverhalten.

Es zahlt sich im Ergebnis/Urteil aus. Einschließlich zur erheblichen Reduzierung oder gar Ablehnung des Abfindungsverlangens oder auch für eine tragfähige Vergleichsbasis.

Praxishinweis:

Detektivkosten sind oft erstattungsfähig, gem. § 91 ZPO.