Sicherheitskonzepte

Frachtchaos an deutschen Flughäfen

Zwei folgenschwere Missmanagementfälle betreffen deutsche Flughäfen und deren Sicherheit

Der Sicherheits-Berater hat in der Juni-Ausgabe 11/2012 die folgenden Fragen aufgeworfen:


  • Warum ein Frachtchaos an deutschen Flughäfen droht.

  • Wie es zum Flughafendesaster in Berlin-Brandenburg kam.


1.

Es ist mit einem Chaos bei der Frachtabfertigung an deutschen Flughäfen zu rechnen. Bis 25. März 2013 verlieren Lieferanten mehrheitlich ihren Status als „bekannte Versender“. Das dürfte die Kapazitäten der Frachtkontrolle, die dann vor Ort am Flughafen stattfindet, sprengen. Die Publikation informiert Lieferanten über sinnvolle Sofortmaßnahmen (vgl. auch: Der bekannte Versender als Teil der Luftfrachtsicherheit [Thomas Preuß], Sicherheitsmelder vom 11.4.12).



2.

In der gleichen Ausgabe analysiert der Sicherheits-Berater die konzeptionellen Fehler, die zum Scheitern der termingerechten Eröffnung des Flughafens Berlin-Brandenburg geführt haben. Er weist in seinem Beitrag nach, dass das „Flughafendesaster“ bei professioneller Planung vermeidbar gewesen wäre.

Das Drama um den Großflughafen Berlin-Brandenburg ist nach Ansicht des Bundesverbandes deutscher Sicherheitsberater und -Ingenieure e.V. (BdSI) nicht verwunderlich. Wie so oft in politisch brisanten Projekten hebelte Wunschdenken besseres Wissen aus.

Bewertung des Sicherheitsberaters


  • Ein Projekt dieser Größenordnung bedarf einer sog. integrierten Planung und nicht, wie hier, der Summe vieler Einzelplanungen.

  • Die Planung eines solchen Projektes erfordert ein Gesamt-Lastenheft, das dann zu den verschiedenen Planungskonzepten durch Einzel-Lastenhefte heruntergebrochen wird.

  • Die technischen Problemlösungen dürfen nicht errichtenden Firmen übertragen werden. Die Planung muss unabhängig von Produkten sein.

  • Die Fachleute, die die Lastenhefte als Basis der Planungen erarbeitet haben, müssen Planer und Errichter in allen Phasen des Projekts qualitätssichernd begleiten.

  • Bei einem Flughafen stehen Sicherheitsprobleme ganz oben auf der Agenda. Das Lastenheft muss durch ein Sicherheitslastenheft, das alle Gewerke berücksichtigt, ergänzt werden.

  • Die Umsetzung muss durch einen Sicherheitskoordinator durchgehend konzept- und qualitätssichernd überwacht werden.

  • Ein Flughafen dieser Größenordnung darf nur an ein Konsortium vergeben werden, das solche Projekte schon nachweislich und erfolgreich gestemmt hat.

  • Es darf kein Wunschtermin jenseits der Realität festgelegt werden. Nur mit einem lastenheftbasierten Planungskonzept und einem Generalunternehmer hätten sich Termine halten lassen können, anders als mit einer Stückwerksplanung und -vergabe wie geschehen.








Sicherheits-Berater

Der Informationsdienst Sicherheits-Berater, herausgegeben von der TeMedia Verlags GmbH, erscheint zweiwöchig seit 1974. Seine Inhalte stammen aus Sicherheitsanalysen für Industrie und Verwaltung, aus der Planung von Rechenzentren, aus Sicherheitskonzepten und dem Leser-Blatt-Dialog. Autoren sind Ingenieure der VON ZUR MÜHLEN’SCHEn GmbH. Die Unabhängigkeit von VZM ist seit vierzig Jahren fest in der Firmenphilosophie verankert.