Sicherheit

Angriff mit sprengstoffgeladenem Modellflugzeug

Bedrohung durch sprengstoffgeladenes Modellflugzeug

Aktuelle Erkenntnisse haben just in Deutschland zu Ermittlungen geführt, zu denen noch wenig bekannt ist. Ein bekannter Fall ist die Planung aus dem Jahr 2011 in den USA. Ein islamistischer Terrorist hatte bereits 11 Kilogramm Sprengstoff und die entsprechenden Fluggeräte für Anschläge auf Kapitol und Pentagon vorbereitet.

Angriffsvarianten bei sprengstoffgeladenen Modellflugzeugen

Es sind drei Varianten zu unterscheiden:


  1. Fehlt dem Fluggerät eine Video-Livebildübertragung, so benötigt der Pilot Sichtkontakt zum Ziel, das ist die Variante der bekannt gewordenen Fälle.

  2. Hat das Fluggerät eine Video-Livebildübertragung, benötigt der Pilot nur Funkkontakt.

  3. Das Fluggerät fliegt weitgehend autonom mit Hilfe von GPS und intelligenter Steuerungsautomatik.


Bei allen bekannten Varianten ist der Sprengstoff im Fluggerät fest verbaut, vergleichbar mit einer Rakete oder Kamikazeflugzeug. Die Sprengstoffzündung erfolgt per Aufschlagzünder oder Funksignal.

Schadenausmaß

Die größten Modellflugzeuge mit ca. 2 Meter Spannweite können etwa 20 Kilogramm Nutzlast aufnehmen. Entsprechend kleinere Modellflugzeuge können weniger Nutzlast aufnehmen.

Angriffsziele bekannter Fälle beziehen sich auf Gebäude. Angriffsvarianten auf Personen und Menschenansammlungen sind nur aus Drohnenangriffen im militärischen Kontext bekannt und im terroristischen bzw. kriminellen Kontext noch nicht aufgetreten, aber möglich.

Gegenmaßnahmen im Personenschutz

Eine Besonderheit besteht in der Reaktionszeit von einigen Sekunden zwischen dem Erkennen der Gefahr und dem Eintritt des Schadens. Dies ermöglicht Schutzmaßnahmen, insbesondere die sofortige Ortsverlagerung. Personenschützer müssen in der Lage sein, die Schutzpersonen innerhalb weniger Sekunden zu verlagern, ggf. hinter massive bauliche Absperrungen oder in ein gepanzertes Fahrzeug zu verbringen.

Dies setzt die Beobachtung des Luftraumes und funktionierende Kommunikationswege voraus.

Eine direkte Bekämpfung des anfliegenden Modellflugzeugs mit Schusswaffen ist in Anbetracht der geringen Erfolgsaussicht und möglicher Kollateralschäden nicht sinnvoll. Alternative Gegenmaßnahmen aus Militär oder Vogeljagd (Netzkanone) stehen im Einsatz meist nicht zur Verfügung.

Gegenmaßnahmen bei Bauwerken

Für Gebäude hat das neue Szenario enorme Relevanz, da in bisherigen Planungen Sprengstoffanschläge in frei zugänglichen unteren Bauwerksgeschossen oder der unteren Gebäudefassade erwartet wurden: Je höher die gefährdeten Gebäude, desto geringer die Sprengwirkungsresistenz der Fassade.

Unter Einbeziehung des neuen Bedrohungsszenarios ist einerseits die Sprengwirkungsresistenz der Fassade, insbesondere der Fenster in Obergeschossen, neu zu bewerten. Darüber hinaus sind Gegenmaßnahmen möglich, insbesondere Netze, um die Sprengkraft durch Abstand zu reduzieren und Fehlfunktionen bei Aufschlagzündern zu bewirken.

Fehlende Praxistests zu Gegenmaßnahmen: Netzkanonen aus dem Bereich der Vogeljagd erschienen sinnvoll, entsprechende Tests liegen hier nicht vor.







Praxishinweise


  • Sprengstoffgeladene Modellflugzeuge sind im Hochrisikobereich in die Risikobewertung mit einzubeziehen.

  • Über Aufklärung kann die Vorbereitung kaum erkannt werden. Erst unmittelbar nach dem Start des Fluggeräts kann die Bedrohung erkannt werden.

  • Während für Personenschutz die Vorwarnzeit zur Warnung und Reaktion ausreichen kann, um sich durch Rückzug zu schützen, ist bei Gebäuden die Vorwarnzeit zu kurz.

  • Fehlende Schutzmaßnahmen sich insbesondere an Fenstern in oberen Stockwerken von Hochrisikogebäuden zu erwarten.