Sicherheit

Brandgefährliche Himmelslaternen

© Christiane Landeck - Fotolia.com
Erhebliche Brandgefahr

Himmelslaternen – Lampions in Leichtbauweise, die in die Luft aufsteigen können – stammen aus dem Fernen Osten. Es  handelt sich dabei um nach unten offene „Papiertüten“, die durch einen leichten Rahmen aufgespannt werden. In der Öffnung hängt ein mit einer brennbaren Flüssigkeit oder Wachs getränkter Körper. Die Flamme beleuchtet die Laterne und erzeugt gleichzeitig den Auftrieb.  Sie sind mittlerweile aber auch hierzulande beliebt und seit einigen Jahren auch erhältlich. Sie können Strecken von vielen Kilometern zurücklegen, wobei ihre Flugrichtung durch wechselnde Windrichtungen unvorhersehbar wird. Darum kann von ihnen eine erhebliche Brandgefahr ausgehen, warnen Experten, etwa durch Entzündung beim Start, wodurch umstehende Personen gefährdet werden.

 Wenn die Laterne in regulär brennendem Zustand wegen Auftriebsverlusts abstürzt oder in der Luft durch einen Windstoß Feuer fängt, besteht erhebliche Gefahr für Gebäude und Bäume. Auch durch Hineintreiben in Hindernisse kann die Laterne Brände entfachen; selbst die glühenden Reste nach vollständiger Verbrennung des Brandstoffes sind noch gefährlich.

Verbote in den meisten Bundesländern

Vor dem Hintergrund der beschriebenen Gefahren ist das Aufsteigenlassen von Himmelslaternen mittlerweile in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen generell verboten. In Berlin, Brandenburg, Bremen und Hamburg ist das Aufsteigenlassen zwar erlaubt. Man benötigt aber eine Genehmigung, die nur noch in Ausnahmen und unter Einhaltung sämtlicher Auflagen erteilt wird. Darüber hinaus können Versicherungen auch bei zulässigen Laternenflügen mit Hinweis auf die allgemeinen Versicherungsbedingungen eine Schadensregulierung verweigern. Kommt es bei einem ungenehmigten Laternenflug zu einem Brandunglück, kann dies als fahrlässige Brandstiftung geahndet werden.

Haftungsfall für „fliegende Brandstifter“

Die Veranstalter einer Hochzeit sind nach Ansicht des OLG Koblenz für den Brandschaden verantwortlich, der durch auf der Feier verwendete Himmelslaternen an angrenzenden Gebäuden entstanden ist. Im verhandelten Fall feierte eine Grundstückseigentümerin die Hochzeit ihrer Tochter in der Nähe eines Jachthafens am Rhein. Die Frau hatte fünf  sogenannte Himmelslaternen gekauft, von denen die Hochzeitsgesellschaft bei Einbruch der Dunkelheit vier aufsteigen ließ. Kurze Zeit später wurde ein Brand von der 300 m entfernten Steganlage des Yachthafens gemeldet, der von  der herbei gerufenen Feuerwehr gelöscht werden konnte. Ein technischer Defekt kam als Brandursache nicht in Betracht. Die Eigentümer des Yachthafens verlangten Schadenersatz. Dies lehnte die Grundstückseigentümerin ab, da sich zur fraglichen Zeit noch weitere Himmelslaternen in der Luft befunden hatten, die das Feuer ebenfalls ausgelöst haben könnten. Das OLG war der Auffassung, dass die Grundstückseigentümerin als Veranstalterin der Hochzeitsgesellschaft für den eingetretenen Schaden hafte. Die Frau hätte der Hochzeitsgesellschaft keine Himmelslaternen zur Verfügung stellen dürfen, selbst wenn diese damals in Rheinland-Pfalz noch nicht verboten waren. Himmelslaternen sind auf eine fünf- bis 20-minütige Brennzeit angelegt und können sehr hoch steigen. Es müsse daher immer damit gerechnet werden, dass die Laterne nach dem Start in größerer Höhe von einer Luftbewegung erfasst werde und eine weitere Strecke als erwartet zurücklege.

Diese naheliegende Gefahr hatte sich auch im vorliegenden Fall realisiert. Aufgrund der Konstruktion und Funktionsweise der Himmelslaternen sei für  die Veranstalterin der Hochzeitsgesellschaft durchaus erkennbar gewesen, dass es sich hierbei – so  wörtlich – um „fliegende Brandstifter“ handele. Daher haftet die Frau für den entstandenen Schaden.

 

Quelle:

   RdW Kurzreport 1/ 2016: Haftung bei Brand durch Himmelslaternen