Gefahrenabwehr

Extremwettereignisse: Betrieblicher Katastrophenschutz?

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Das Wetter bestimmt mittlerweile Jahr für Jahr die Nachrichten, gerade im Sommer. Ob extreme Hitze und damit verbundene Dürre, Wald- und Flächenbrände oder starke Gewitter und Regenfälle, die dann schnell zu Überschwemmungen und kleineren Hochwassern führen. Und es ist noch keine zwei Jahre her, als im Winter 2018 Teile von Bayern mit großen Schneemassen kämpfen mussten.

Nicht nur gefühlt, sondern auch statistisch gesehen, nehmen Extremwettereignisse zu, auch in Deutschland. Obwohl man diesen Trend seit wenigen Jahren beobachten kann, nimmt man in der betrieblichen Gefahrenabwehr kaum Notiz davon.

Darum ist ein Betrieblicher Katastrophenschutz zu empfehlen

In der überwiegenden Anzahl der Betriebe, ist das A und O der betrieblichen Gefahrenabwehr die Sicherstellung von Arbeits- und Brandschutz. Hier sind viele Betriebe mit ihren Fachkräften für Arbeitssicherheit, Sicherheitsbeauftragten, Brandschutzhelfern, Räumungshelfern und Brandschutzbeauftragten gut aufgestellt. Doch was ist mit dem betrieblichen Katastrophenschutz? Gerade die Wettereignisse zeigen deutlich auf, wie schnell zum Beispiel Betriebsgebäude durch Starkregen überflutet werden, wie starke Trockenheit durch Hitze dazu führen kann, dass eine eventuell vorhandene Bepflanzung auf dem Betriebsgelände zu einer Brandgefahr wird oder wie im Winter der Schnee zu einem Problem für die Statik der Dächer wird.

Da die Bandbreite der möglichen Szenarien groß ist, sollte man in einem Betrieb sich auch Gedanken zum betrieblichen Katastrophenschutz machen. Gerade da die Ereignisse wie Starkregen, Hochwasser oder ein starker Schneefall schnell zu hohen Einsatzzahlen führen. Einsatzzahlen die in der Regel von den örtlichen Feuerwehren nur schwer geleistet werden können. Auch unter diesem Aspekt, sollte man sich Gedanken zum betrieblichen Katastrophenschutz machen. Zudem kann es durchaus Prioritäten geben, in der Abarbeitung der Einsätze. Dementsprechend kann es dann auch seine Zeit dauern, bis Einsatzkräfte von der Feuerwehr oder auch vom Technischen Hilfswerk (THW) vor Ort sein können. Aber genau diese Zeit kann hier zu einem Problem werden. Umso länger es nämlich dauert bis Maßnahmen zum Schutz eingeleitet werden, kann zum Beispiel die Produktionshalle weiter überflutet werden. Und das kann am Ende den Schaden an Waren und Maschinen erhöhen. Deshalb sollte man in einem Betrieb auch einen betrieblichen Katastrophenschutz haben.

Einfache Maßnahmen können schon hilfreich sein

Betrieblicher Katastrophenschutz als Begriff hört sich sicherlich mächtig an. Vielleicht wäre auch eine andere Begrifflichkeit, wie zum Beispiel betrieblicher Selbstschutz besser. Doch unabhängig von der Begrifflichkeit ist in erster Linie ein funktionierender betrieblicher Katastrophenschutz eine Planung. Dazu muss im ersten Schritt ermittelt werden: Was für Gefahren können einem Betrieb drohen? Ist zum Beispiel ein Bach oder ein Fluss in unmittelbarer Nähe? Wie ist die Kanalisation auf dem Betriebshof dimensioniert? Wie ist das Gelände und die Umgebung? Anhand solcher Fragestellungen kann man letztlich ableiten, was für Maßnahmen im Rahmen des betrieblichen Katastrophenschutzes notwendig sein können.

Die Maßnahmen können hierbei sehr einfach sein. Hat man zum Beispiel eine Bepflanzung auf dem Betriebsgelände, so kann diese im Rahmen der Pflege entsprechend zurückgeschnitten werden. So kann bei starker Trockenheit und Hitze im Sommer, hier die Brandgefahr reduziert werden. Ermittelt man eine mögliche Gefahr der Überflutung, so können sich hier als Maßnahmen die Vorhaltung von Sandsäcken oder die Installation von Hochwasserschutzeinrichtungen anbieten. Oder aber wenn zum Beispiel die Versorgungsleitungen im Keller sind. Hier kann es notwendig sein, entweder den Keller oder einzelne Räume abzuschotten oder einen alternativen Standort, zum Beispiel für ein Notstromaggregat, einzurichten. Das kann im Falle eines Stromausfalls, den Ausfall bei der Produktion verhindern oder – man denke an ein Altenheim und medizinische Geräte – die Sicherstellung des laufenden Betriebs gewährleisten. Generell in Abhängigkeit von den möglichen Gefahren muss ein Betrieb entscheiden, mit welchen Maßnahmen er vorbeugt und ob und welche Einsatzmittel er für den Ernstfall vorhält. Das können neben den bereits erwähnten Sandsäcken, zum Beispiel auch Tauchpumpen bei Überflutungen oder Schneeschieber sein.

Der Brandschutzbeauftragte im betrieblichen Katastrophenschutz

Natürlich stellt sich im Zusammenhang mit dem betrieblichen Katastrophenschutz die Frage, wer soll das im Betrieb leisten? Dass der Brandschutzbeauftragte hier der richtige Ansprechpartner ist, ist vielen nicht bekannt. Mit der Änderung der Richtlinie für den Brandschutzbeauftragten, aber auch zuvor in der VdS 3111 der Versicherungswirtschaft, war die Aufgabe: „Mitwirken bei der Implementierung von präventiven und reaktiven (Schutz)Maßnahmen im Notfallmanagement z.B. für kritische Infrastrukturen (Stromausfall), für lokale Wetterereignisse mit Schadenspotenzial (extreme Hitze-/Kältewellen, Starkregen, Sturm, Hagel, Schneelast, etc.)“ Gegenstand der möglichen Aufgaben eines Brandschutzbeauftragten.

Leider muss man an dieser Stelle sagen, ist das notwendige Wissen dafür nicht Gegenstand der Brandschutzbeauftragten-Ausbildung. Hier wäre eine Nachbesserung der DGUV 205-003 (Aufgaben, Qualifikation, Ausbildung und Bestellung von Brandschutzbeauftragten) notwendig, um entsprechende Ausbildungsinhalte aufzunehmen. Natürlich muss eine Zunahme bei den Ausbildungsinhalten, auch zu einer deutlichen Erweiterung bei den Ausbildungszeiten führen. Schon heute ist die Ausbildungszeit mit 64 Unterrichtsstunden, im Hinblick auf die Vielzahl der Ausbildungsinhalte kaum zu leisten. Eine Ausweitung der Ausbildungszeit auf 100 Unterrichtsstunden wäre daher angebracht. Nur so kann ein Brandschutzbeauftragter ideal auf seine eventuell zukünftigen Aufgaben vorbereitet werden. Unabhängig davon gibt es gerade für Brandschutzbeauftragte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit spezielle Fortbildungsangebote. So bietet das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe verschiedene Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten an. Zum Beispiel zum Krisenmanagement, zur Notfallvorsorge Energie und Wirtschaft, Gefahrenabwehrplanung in chemischen Anlagen, Krisenmanagement im Gesundheitswesen und zum Schutz kritischer Infrastrukturen.

Organisation ist das A und O

Zur Einrichtung des betrieblichen Katastrophenschutzes in einem Betrieb bedarf es, wie beim betrieblichen Brandschutz auch einer entsprechenden Organisation. Ist der betriebliche Brandschutzbeauftragte für die Beratung, Ermittlung von Gefahren und Erstellung eines Konzepts zum betrieblichen Katastrophenschutz verantwortlich, so braucht es, je nach Gefahren und Maßnahmen, im Zweifelsfall auch entsprechende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die das umsetzen. Hier ist zu empfehlen, ähnlich wie bei einer Brandschutzordnung, Verhaltensweisen aufzuzeigen, aber auch eventuelle Aufgaben zuzuweisen.

Mögliche Aufgaben wäre die Räumung betroffener Teile im Betrieb, wenn zum Beispiel die Gefahr einer Überflutung besteht. Oder als weiteres Beispiel die Sicherung bestimmter Betriebsteile durch Aktivierung von Hochwasserschutzmaßnahmen. Dazu wäre es empfehlenswert, ähnlich wie bei Brandschutzhelfern, entsprechende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu bestimmen. Natürlich kann man aber auch eventuelle Aufgaben im betrieblichen Katastrophenschutz bei den Aufgaben der Brandschutzhelfer ansiedeln, da diese sowieso im Betrieb vorhanden sein müssen. Bei den möglichen Aufgaben ist immer zu bedenken, dass es nicht zu einer Eigengefährdung kommen darf. Auch können sich externe Dienstleister anbieten, wie zum Beispiel eine Dienstleistungsfeuerwehr, wenn es um den betrieblichen Katastrophenschutz geht.

Wie man anhand der Ausführungen erkennen kann, ist der betriebliche Katastrophenschutz ein sehr umfassendes Thema. Ob er in einem Betrieb notwendig ist und in welchem Umfang, muss immer im Einzelfall beurteilt werden.