Sicherheit

Messerangriffe in Deutschland: Eine erste Bilanz 

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Am Donnerstag, den 16. Januar 2020 stellte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) erstmals die Anzahl registrierter Straftaten vor, bei denen ein Messer als Tatmittel eingesetzt wurde. Am selben Tag ereignete sich im Jobcenter Rottweil (Baden-Württemberg) ein Messer-Angriff auf eine Angestellte, die schwer verletzt in eine Klinik geflogen werden musste. Schon lange schätzen Polizeibeamte und Beobachter die Anzahl der mit einem Messer oder einer messerähnlichen Tatwaffen geführten Gewalttaten als steigend ein. Die nun erhobenen Zahlen geben durchaus Anlass zur Sorge.

Erste Bilanz

2019 wurden in NRW 6.827 Fälle mit einem Messer als Tatmittel registriert. Insgesamt konnten 6.736 Tatverdächtige festgestellt werden. Von diesen besitzen 4.091 Personen die deutsche Staatsbürgerschaft (doppelte Staatsbürgerschaften werden in diesem Kontext nicht erfasst). Von den 2.645 (39,3 %) registrierten Tatverdächtige, die nicht die deutsche Staatsangehörigkeit haben, beträgt der Anteil der Zuwanderer 39,8 % (1.052). Zuwanderer sind Asylbewerber, Schutz- und Asylberechtigte, Geduldete oder Personen ohne Duldung. Aufgelistet nach Staatsangehörigkeiten sind die erfassten tatverdächtigen Personen ohne deutsche Staatsbürgerschaft Türken (436), Syrer (364), Polen (132), Rumänen (123), Afghanen (123), Serben (110), Iraker (105). Vor allem junge Männer unter 25 Jahren fielen als Tatverdächtige auf.

2014 gab es in Baden-Württemberg 5.534 Messerstraftaten, 2018 waren es bereits 6.073. Als Tatmittel „Messer“ gelten in dem Bundesland auch Ahle, Bajonett, Butterflymesser, Dolch, Haushalts-/Küchenmesser, Klappmesser, Spring-/Fallmesser, Stilett und Taschenmesser. In  Berlin wird das Tatmittel Messer bereits seit 2009 ausgewertet. Im Jahr 2019 wurden insgesamt 2.795 Straftaten mit Messern registriert, was nach Angaben der Berliner Polizei der höchste Wert seit Beginn der Auswertungen darstellt. Auch Thüringen führt eine Aufzählung registrierter Straftaten unter Einsatz eines Messers. 2019 wurden 986 Angriffe gezählt, was ebenfalls eine Steigerung darstellt.

Zudem merkt das BKA an, dass die Mitnahme von Messern ebenfalls ansteigt, was auch Dunkelfeldbefragungen aufzeigten.

Aussagegehalt und Konsequenzen

Gefühlt und auch innerhalb der Bundesländer, die bereits seit Jahren das Tatmittel Messer erfassen, steigen entsprechende Gewalttaten an. Noch immer führt nicht jedes Bundesland eine entsprechende Statistik. Um die Entwicklung und auch Gegeninitiativen (wie z.B. Verbotszonen in Städten) nachvollziehen zu können, ist dies jedoch notwendig. Zudem bedarf es derselben Parameter, was unter Tatmittel Messer zu führen ist und ob die unterschiedlichen Messerarten und messerähnlichen Gegenstände gesondert ausgewiesen werden sollen.

Generell können jedoch auch Messerattacken einem Dunkelfeld unterliegen, insofern dürfen die registrierten Taten nicht automatisch als Kriminalitätsrealität betrachtet werden.

Daneben muss der Blick auch auf die Tatursachen und damit verbunden auf die Hintergründe der Tatverdächtigen gerichtet werden: In NRW wurden die Tatverdächtigen nach Staatsangehörigkeit ausgewertet. Bereits diese erste Auswertung zeigt, dass ein großer Teil der Tatverdächtigen offenkundig über einen Migrationshintergrund verfügt. Diesen Umstand gilt es genauer und ohne ideologischen Hintergedanken zu untersuchen, um somit Präventionsmaßnahmen anzupassen. Die Altersstruktur und ein etwaiger Migrationshintergrund müssen dabei Berücksichtigung finden, um die potentiellen Tätern und bereits auffällig gewordenen Personen Alternativen aufzuzeigen, Konflikte ohne Gewalt zu lösen.

Verwendete Quellen:

Der Beitrag gibt die persönliche Meinung der Autorin wieder.