Organisations- und Führungskonzepte Prävention

Bevölkerungsschutz: Erkenntnisse und Ausblick zum bundesweiten Warntag

© SasinParaksa – stock.adobe.com

Im Jahr 2020 fand in Deutschland nach Jahrzehnten wieder ein nationaler Warntag statt. Nachdem der Warntag 2021 der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zum Opfer gefallen war, wurde er im Jahr 2022 am 08. Dezember durchgeführt. Besonderer Fokus lag dabei auf der Einführung des Warnmediums „Cell Broadcast“ als Reaktion auf das schwere Hochwasser. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) hat nun eine Auswertung des Warntags 2022 veröffentlicht. Dafür befragte es in einer freiwilligen Umfrage 851.842 Bürgerinnen und Bürger.

Hoher Bekanntheitsgrad des Warntags

Die Umfrage liefert eine Vielzahl von Erkenntnissen für den Bevölkerungsschutz. Als größte und erfreulichste ist der steigende Bekanntheitsgrad des Warntages anzunehmen. 92,3 % der Bürgerinnen und Bürger waren von seiner Durchführung informiert, wohingegen 5,5 % angaben, von der Aktion überrascht worden zu sein.

Bei der Informationsquelle für den Warntag gab die Mehrheit der Befragten an, über die sozialen Medien vom Warntag erfahren zu haben – absteigend gefolgt vom Radio, Fernsehen, Zeitungen sowie Freunden und Familie. Diese Erkenntnis aus der Umfrage für den Bevölkerungsschutz zeigt, wie man breite Teile der Bevölkerung erreichen und informieren kann. Sei es bei der Aufklärung zur Selbsthilfefähigkeit oder konkret im Notfall. Dabei variiert die Wahrnehmung je nach Altersgruppe sehr: Befragte über 59 Jahren gaben an, sich zu 64 % aus Zeitungen zu informieren. Bei den jüngeren Befragten bis 19 Jahre spielte die Zeitung mit 25 % eine deutlich geringere Rolle, dafür erwartbar wichtig waren die sozialen Medien.

Warnmittelmix und Reichweite

Unter „Warnmittelmix“ versteht man den Einsatz verschiedener Warninstrumente. Dazu gehören neben den Warn-Apps KAT-Warn und NINA auch Cell Broadcast, Sirenen, Lautsprecherdurchsagen, Radio- und Fernsehansagen und Plakatwerbung. Die Ausprägung des Warnmittelmixes kann je nach Bundesland und Region sehr unterschiedlich sein. So gibt es beispielsweise nicht in jeder Gemeinde Sirenen.

Der Warnmittel-Mix hat den Vorteil, dass die Bürgerinnen und Bürger im Ernstfall mit mindestens einem Warnmittel erreicht werden können. Dies zeigte sich auch in der Befragung zum Warntag 2022. So gaben 53,7 % der Befragten an, durch das neue Warnmittel Cell Broadcast erreicht worden zu sein. Bei der Warn-App NINA waren es 50,8 %, gefolgt von der Warnung durch die Sirene mit 47,9 % und Radio und TV mit 9,4 bzw. 5,4 %. Insgesamt gaben 27,6 % der Befragten an, mindestens eine Warnung aus dem Warnmittelmix erhalten zu haben. 32 % haben zwei Warnungen und 21 % sogar drei Warnungen erhalten und nur 9,2 % haben keine Warnung erhalten.

Die Umfrage zeigt auch Schwachstellen des Warntags auf. Eine dieser Schwachstellen zeigt sich bei der Nutzung der Warn-App NINA. 14,2 Millionen Bürgerinnen und Bürger installierten die App auf ihrem Smartphone, bei 1,2 Millionen davon erschien jedoch am Warntag keine Testwarnung. Der Grund dafür ist laut Umfrage, dass entweder kein Live-Standort vorhanden ist oder kein Standort abonniert wurde.

Schließlich geht aus der Umfrage auch hervor, dass sich die Mehrheit der Befragten häufigere Warntage wünscht. Diese Erkenntnis ist vor allem dann interessant, wenn man mit einem Warntag nicht ausschließlich eine Probewarnung, sondern auch eine Stärkung der Selbsthilfefähigkeit verbindet. Ob die Politik diesem Wunsch folgen wird, bleibt abzuwarten. Einige Bundesländer und Kommunen werden zusätzlich jährlich eigene Warntage durchführen. So fanden bereits am 09.03.2023 landesweite Warntage in Nordrhein-Westfalen und Bayern statt.

Ausblick auf den Warntag 2023

Im Vergleich zum ersten Warntag im Jahr 2020 kann aus dem vergangenen Warntag eine positive Bilanz gezogen werden: Die Warnung der Bevölkerung hat sich bundesweit deutlich verbessert. In wenigen Wochen, am 14. September 2023, findet der nächste nationale Warntag in Deutschland statt. Für den Warntag 2023 sind weitere Verbesserungen zu erwarten. Der Warnmittelmix wurde im Zuge des Sirenenförderprogramms der Bundesregierung zum Aufbau neuer Sirenen, aber auch die erhöhte Verfügbarkeit von Cell Broadcast weiter ausgebaut. Mit Cell Broadcast sollen künftig auch ältere Mobiltelefone erreicht werden können.

Zum Warntag 2023 ist jede und jeder eingeladen, an der Bevölkerungsbefragung teilzunehmen.

Weitere Informationen sowie die Ergebnisse der Umfrage zum Warntag 2022 finden Sie unter https://www.bbk.bund.de/DE/Warnung-Vorsorge/Bundesweiter-Warntag/Umfrageergebnisse-BWT-2022/umfrageergebnisse-bwt-2022_node.html