Gefahrenabwehr

Feuerteufel im eigenen Haus – Brandstiftung durch Innentäter

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Arbeiter und Angestellte aller Ebenen eines Betriebs können dem Unternehmen durch vorsätzliche Inbrandsetzungen, Brandstiftungen, Verpuffungen und Explosionen (vgl. §§ 303, 306 ff, 308 StGB massiven Schaden zufügen. Die häufigsten Ursachen für Brände in Unternehmen sind immer noch menschliche Fehler, insbesondere der leichtfertige Umgang mit Brandschutzvorgaben. Im Gegensatz zu den vielfältigen Möglichkeiten, sich vor fahrlässigen Brandstiftungen durch Mitarbeiter zu schützen, kann sich ein Unternehmen gegen vorsätzliche Brandstiftung durch die eigenen Mitarbeiter nur bis zu einem gewissen Grad schützen. Vorsätzliche Inbrandsetzungen durch Mitarbeiter in Unternehmen sind laut weltweiter Feuerwehr- und Versicherungsstatistiken in den letzten Jahren in entwickelten Industrieländern zu einem immer größeren Problem geworden.

Beispiele für Brandstiftungen von Mitarbeitern:

  • Brandstiftung unter Ausnutzung vorhandener brennbarer Stoffe
  • Brandstiftung nach besonderer Vorbereitung der Brandobjekte durch den Täter
  • Brandstiftung unter Vortäuschung technischer Ursachen oder einer Selbstentzündung
Hauptproblem Kontrollverlust

Vorsätzliche Brandstiftungen werden absichtlich begangen, mehr oder weniger geplant und mit mehr oder weniger krimineller Energie durchgeführt. Es werden nicht immer gleich Großbrände gelegt. Doch auch vermeintliche Kleinbrände – wie etwa das Anzünden eines Papier- oder Müllcontainers – sind kriminelle Handlungen und keine Kavaliersdelikte. Denn immer wieder kommt es im weiteren Verlauf dieser Entstehungs- oder Kleinbrände zu einer vom Täter oft ungewollten Brandausbreitung und dem Übergreifen auf Maschinen oder sogar das gesamte Gebäude.

Fokus auf Gelegenheiten und Brandursachen

Auf der anderen Seite benötigt ein brandlegender Mitarbeiter oft weder spezielle Kenntnisse noch große Vorbereitungen für seine Tat. So sind ca. 75 % Gelegenheitsbrandstiftungen. Leider finden sich diesbezügliche Gelegenheiten in vielen Unternehmen immer wieder und sehr leicht. Hier liegt ein ganz klarer Vorteil des brandstiftenden Mitarbeiters – er ist Insider und braucht sie nur zu ergreifen!

Aus diesem Grund bedürfen auch Ermittlungen von Brandstiftungen durch Mitarbeiter ganz besonderer Sorgfalt und Gründlichkeit. Von ausschlaggebender Bedeutung sind diesbezüglich Feststellungen zur tatsächlichen Brandursache. Bei Mitarbeiterbrandstiftungen ist es dennoch besonders schwierig, den Täter zu ermitteln.

Gutes Arbeitsklima

Entscheidende Motivationsfaktoren für interne Brandstifter sind das Betriebsklima, anstehende Kündigungen, Versetzungen, Gehaltskürzungen und nicht zuletzt Mobbing. Das Betriebsklima kann durch Führungsfehler, mangelnde Vorbildfunktion des Managements und andere arbeitsplatzbedingte negative Einflüsse belastet werden und so Anlass zu einer Tat bieten. Mangelnde Kommunikation, autoritäre Führung, schwerfällige und anonyme hierarchische Strukturen und Uninformiertheit sowie der Ausschluss von Entscheidungsprozessen blockieren die anfängliche Leistungsbereitschaft von Mitarbeitern unnötig. Die Folge sind auf der einen Seite oft Gleichgültigkeit und Resignation bis hin zur viel zitierten „inneren Kündigung“ und auf der anderen Seite Rachegedanken.

Potentielle Täter im Blick

Drei Mitarbeitergruppen gehören zu den potentiellen Tätern:

  • Mitarbeiter mit gewalttätigem Benehmen
  • Mitarbeiter, die sich zu „Problemmitarbeitern“ entwickeln
  • Mitarbeiter, die erhebliche psychische Probleme haben (oft unbemerkt).

Bedauerlicherweise sind bis heute weder das Erkennen noch die Bekämpfung von Mitarbeiterbrandstiftungen herausragende Brandschutz- und Kriminalitätsbekämpfungsziele deutscher Unternehmen. Dies liegt vor allem daran, dass die Ursachen nicht richtig untersucht werden, wenn es nicht zu Großbränden kommt. Wenn man jedoch die wirklichen Ursachen nicht kennt, kann man auch nicht angemessen vorbeugen. 

Praxishinweise
  • In sehr vielen Fällen sind es ganz banale Dinge wie Ordnung und Sauberkeit, die die Möglichkeiten eines internen Brandstifters schon entscheidend begrenzen können.
  • Je besser Brandschutzbeauftragte, Angehörige der Werkfeuerwehren und des Werkschutzes ausgebildet sind, desto geringer werden die Spielräume für interne Brandstifter.
  • Insbesondere die konsequente Verfolgung und Bestrafung derartiger interner Brandstifter kann durch die damit verbundene abschreckende Wirkung helfen, diese besondere Form von „Workplace Violence“ einzuschränken.
Quellen
  1. Stolt, Frank D.: Serienbrandstifter – Analyse eine Phänomens, Berlin 2014
  2. Stolt, Frank D.: Brandstiftung durch Mitarbeiter, in: „Brandschutz im neuen Jahrtausend“ Tagungsband des 13. Aprilsymposion, Brandschutzforum Austria,  Graz 2012