Gefahrenabwehr

„Warntag 2020“: Wie steht es um die Warnfähigkeit der Bevölkerung?

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Wie kann die Bevölkerung in Deutschland heute in einem Notfall, in einer Krise gewarnt werden? Wie schnell es in Deutschland zu einer Krise kommen kann, hat die Coronavirus-Pandemie gezeigt. Die Warnfähigkeit der Bevölkerung ist ein unverzichtbarer Bestandteil des Bevölkerungsschutzes.

Wie soll die Bevölkerung in einem Notfall gewarnt werden? Deutschland war in seiner Warnfähigkeit der Bevölkerung schon deutlich fortgeschrittener, als es heute der Fall ist. Mit dem Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg und vor allem aufgrund des Kalten Krieges verfügte Deutschland über einen umfangreichen Bevölkerungsschutz. Zu diesem gehörte auch eine Ausstattung mit Sirenen.

Zu Hochzeiten konnten von den Warnämtern in einem Notfall rund 80.000 Sirenen ausgelöst werden. Seit der Wiedervereinigung wurde der Bevölkerungsschutz Stück für Stück zurückgefahren. Auch das flächendeckende Sirenennetz ist heute so nicht mehr vorhanden. Dem Wegfall des Sirenennetzes ging die Annahme voraus, dass das Netz nicht mehr notwendig sei. Der zweite Grund für den letztlichen Abbau 1993 waren die Kosten.

Ist-Zustand der Warnfähigkeit

Seit dieser Zeit hat sich in Sachen Warnfähigkeit der Bevölkerung einiges getan. So gibt es heute Apps wie NINA oder KAT-WARN, die man freiwillig auf dem Smartphone installieren kann. Vereinzelt gibt es in Kommunen auch noch Sirenen. Teilweise bauen einzelne Kommunen, wie beispielsweise die Stadt Heidelberg, sogar wieder Sirenen auf. Eines bleibt festzuhalten: Von einem flächendeckenden Warnnetz, wie vor dem Jahr 1993, sind wir noch weit entfernt.

Wie es um die Warnfähigkeit und insbesondere um deren Reichweite bestellt ist, kann daher nicht abschließend geklärt werden.

Einführung eines Warntages

Die Politik hat die Probleme der Warnfähigkeit der Bevölkerung mittlerweile erkannt. So hat die Innenministerkonferenz von Bund und Ländern im Juni 2019 die Einführung eines bundesweiten Warntags beschlossen. Der bundesweite Warntag findet am 10.09.2020 um 11.00 Uhr mit einem Probealarm statt. Es werden bundesweit alle verfügbaren Instrumente, neben Sirenen Warn-Apps wie NINA und KAT-Warn, aber auch digitale Anzeigetafeln, Lautsprecherwagen, Radio, Fernsehen und soziale Medien einbezogen.

Der erste bundesweite Warntag wird eine Vielzahl an wertvollen Informationen liefern. Zum einen, in welchem Umfang die Bevölkerung erreicht wurde? Zum anderen wird durch den Warntag aber auch erkannt werden können, ob und wie die Bevölkerung eine Warnmeldung aufnimmt und diese versteht. Man beachte dazu beispielsweise die Sirene und die Bedeutung der unterschiedlichen Sirenensignale. Hier wird deutlich zu erkennen sein, wo und in welchem Umfang eine Nachsteuerung erforderlich ist.

Warntag zukünftig jedes Jahr

Der Warntag 2020, am 10.09.2020, ist ein guter Anfang zur Verbesserung der Warnfähigkeit der Bevölkerung in Deutschland. Außerdem ist der Warntag kein einmaliges Ereignis, sondern soll zukünftig jedes Jahr immer am zweiten Donnerstag im September stattfinden.